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Der Börsenspekulant: Ihr Börsennewsletter

Erleben Sie die Börsen aus der Sichtweise eines professionellen Traders

Der TradeCentre Newsletter war 1998 einer der ersten Internet-Börsenbriefe und feierte große Erfolge. In den letzten Jahren haben mich viele Leser gebeten meine Gedanken zum Börsengeschehen in ähnlicher Form wieder zu veröffentlichen. Jetzt endlich erlaubt mir die Zeit wieder einen solchen wöchentlichen Börsen-Newsletter regelmäßig zu schreiben, um Sie an meiner Sichtweise der Dinge teilhaben zu lassen. Ich verknüpfe wirtschaftliche Hintergründe mit praktischen Trading-Ansätzen. So macht die Börse Spass und Sie verstehen die Kräfte, die die Märkte bewegen.

Viele Grüße Ihr Simon Betschinger

Artikel vom 10. Februar 2009

Das komplette Ausmaß des Börsenzyklus und die Schicksalsfrage einer ganzen Generation

Um das komplette Ausmaß des Börsenzyklus zu begreifen, hilft ein Blick auf den amerikanischen Nasdaq-Index (Chartquelle: Bigcharts.com). Er zeigt den gesamten Zyklus eines Booms, der alle Sektoren der Wirtschaft durchdrang und zu extrem hohen Wachstumsraten führte. Zu Beginn des neuen Jahrtausends war eine Generation von Börsianern in den Aktienmärkten investiert, die an eine Zukunft uneingeschränkten Wachstums glaubten. Zu Beginn der 1980er Jahre ging der Aktienmarkt in eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung über, die sich in den 1990er Jahren extrem beschleunigte und in der größten Hausse endete, die es jemals an den Börsen gab.



Es ist leicht aus der Vogelperspektive über die damalige Aufbruchsstimmung zu urteilen und den Glauben an eine neue Epoche der Menschheit als verrückt abzutun. Wer damals nicht dabei war, kann die Masseneuphorie während der Internetrevolution kaum nachvollziehen. Eine Stil-Ikone der Technologie-Gemeinde war Ray Kurzweil. Sein Buch "Homo Sapiens” ist am besten geeignet, um die Gedanken nachzuvollziehen, die damals Millionen von Menschen bewegten. Die Internetrevolution und der Siegeszug der Computer wurde nicht nur als technische Entwicklung, sondern als eine neue Stufe der Evolution betrachet, die die bisherige Welt komplett aus den Angeln werfen würde.

homo sapiens

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Aktie, die sofort am nächsten Tag um 10% steigt. Am nächsten Tag geht es weitere 10% nach oben und am darauf folgenden Tag zeigt der Ticker erneut 10% Kursgewine. Sie freuen sich über den Gewinn und verkaufen. Doch was passiert? Auf einmal steigt die Aktie täglich um 20%. Das war die Welt der Börse von 1997 bis 2000. Ich erinnere mich noch wie ich 1998 im n-tv Videotext mißmutig auf 10% Tagesgewinn gestarrt habe. Es gab schließlich täglich Aktien, die 20%, 30% oder noch mehr zugelegt haben. Meinen höchsten Tagesgewinn erzielte ich mit der Aktie von Pacific Century Cyberworks, die über Nacht über 120% an Wert gewann. Betrachten Sie, um ein wenig die Luft der Internetrevolution zu schnuppern, das Chartbild von Yahoo ab dem Jahr 1997. Von quasi Null (splitbereinigt) stieg die Aktie empor und verhundertfachte sich mehrmals.



1998 war ich leider erst 18 Jahre alt. Ich hatte gerade erst mein Depot eröffnet und verfügte nicht über das notwendige Wissen, um von diesem Börsenrausch so zu profitieren wie es möglich gewesen wäre. Die Schicksalsfrage meiner Generation von Tradern ist schnell gestellt. Wird es es im nächsten Jahrzehnt - solange wir jung sind - noch einmal so eine Chance geben. Die Chance auf Reichtum wie er durch eine gewöhnliche Arbeit niemals möglich wäre? Welche technologische Entwicklung wird als nächstes in der Lage sein eine ganze Nation zu beflügeln und die Wirtschaft zum Abheben zu bringen? Es muss eine Technologie sein, die jetzt noch in keinem Haushalt zu finden ist.

Die Quelle wirtschaftlichen Wachstums sind große Produktivitätsschübe in der Realwirtschaft. Als die IT-Branche in dern 90er Jahren ihren Siegeszug antrat, stand in kaum einem Haushalt ein Computer. Milliarden von Computern wartet darauf verkauft zu werden. Für diese Computer musste Software entwickelt und vertrieben werden. Diese gewaltige Wachstumspotenzial setzte Milliardeninvestitionen in Fabriken, Firmen und Personal in Gang. Das Problem des Aufschwungs von 2003 bis 2008 war, dass es keine neue Technologie gab, in die es sich für Firmen lohnte massiv zu investieren. Die Folge waren Aktienrückkaufprogramme auf Rekordniveau, Firmenübernahmen und Spekulationsblasen in verschiedenen Assetklassen wie Immobilien. Wo auch sonst sollen 10 Milliarden Euro eines Großinvestors hinfließen - um eine willkürliche Größe zu nennen - wenn es in der Realwirtschaft keinen großen Investitionsbedarf für renditestarke Projekte gibt?

Welche technologische Entwicklung hat das Potenzial in jeden einzelnen Haushalt Einzug zu finden und die industrielle Struktur von Grund auf zu erneuern? Wird es der Umsteig auf eine Energiewirtschaft ohne Öl sein wenn die Massenfertigung von Elektroautos beginnt. Wird es eine Interfacetechnologie sein, die menschliche Gedanken mit Computern verknüpft oder ermöglicht der Fortschritt der Computertechnologie eine neue Form der virtuellen Realität, die es ermöglicht komplett in andere Welten einzutauchen und diese als real zu empfinden? Vorhersagen sind kaum möglich. Das einzige was an Zukunftsprognosen in der Vergangenheit richtig war, ist ihr kollektives Versagen. Als Kind hielt ich das Buch eines damaligen Visionärs in den Händern, der prophezeite, dass die olympischen Spiele 2010 auf dem Mond stattfinden würden.

Meine Trader-Generation ist gestählt von zwei harten Bärenmärkten. Der erste großen Bärenmarkt begann im Jahr 2000 und ende 2003. Die zweite große Baisse begann im Jahr 2008 und ihr Ende ist noch offen. Nach diesen zwei Bärenmärkten, die in den Geschichtsbüchern verankert sein werden, ist das breite Börsenpublikum nahezu verschwunden. Wir, lieber Leser, die Trader, die diese harte Zeit überlebt haben, sind allein unter uns. In einem neuen Aufschwung, der von realen Unternehmensgewinnen und einer neuen Vision getrieben würde, wären wir die größten Profiteure, die von Anfang an dabei sind.

Die Schicksalsfrage lautet nun also, ob wir einen solchen Börsenboom noch einmal erleben werden, bevor wir 60 Jahre alt sind und das verdiente Geld noch ausgeben können. Ich weiß es leider nicht. Ich weiß nur, dass ich das Wissen dazu habe, um einen Bullenmarkt in seiner vollen Bandbreite spielen zu können. Bald wird es ein fast ausgestorbenes Wissen sein, denn schätzungsweise 99% der Bevölkerung will mit Aktien nichts mehr zu tun haben. Die Börse ist nicht nur das Spiel der Spiele, sie ist in gewisser Weise ein Spiel des Lebens. Jede Generation erhält nur einmal die Chance an der Börse ein Vermögen zu erzielen, bevor der Zyklus von "Boom and Bust” wieder gnadenlos zuschlägt.

Artikel vom 27. September 2009

Das Zeitalter der Elektromobilität wird einen neuen Investitionsboom auslösen. Neue Allzeithochs im DAX stehen 2010 bevor!

Liebe Leser,

als Gegenentwurf zur neoklassischen oder keyensianischen Vorstellung von Konjunkturzyklen, die eine strikte Trennung von langfristigen Wachstum und kurzfristigen Konjunkturschwankungen dogmatisierte, versucht die in den 1980er Jahren von Prescott und Kydland entwickelte Real Business Cycle Theorie einen einheitlichen Theorierahmen zu bieten. Ihr zufolge sind Konjunkturschwankungen, bildlich gesprochen, das Ergebnis schneller technologischer Veränderungen, die sich über das Investitionsverhalten durch die gesamte Ökonomie fortpflanzen.

Diese Betrachtung von Konjunkturzyklen und wirtschaftlichem Wachstum hilft uns zu verstehen welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Einführung von Elektroautos im kommenden Jahrzehnt haben wird. Bevor ich Ihnen meine Schlussfolgerung schildere, möchte ich Ihr Verständnis für die wirtschaftlichen Wachstumsprozesse durch ein brillantes Zitat von Joseph Schumpeter aus "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie" schärfen.

"In der Tat und Wahrheit ist die kapitalistische Wirtschaft nicht stationär und kann es nicht sein. Auch dehnt sie sich nicht bloß in einer stetigen Art und Weise aus. Sie wird unaufhörlich von innen her durch neue Unternehmungen revolutioniert, das heißt durch die Einführung neuer Waren oder Produktionsmethoden oder neuer Handelsmöglichkeiten in die industrielle Struktur, wie sie in irgendeinem Augenblick existiert. Alle vorhandenen Strukturen und alle Geschäftsbedingungen sind stets in einem Prozess der Veränderung... Wirtschaftlicher Fortschritt bedeutet in der kapitalistischen Gesellschaft Aufruhr. Durch die Produktion von neuen Dingen oder durch die billigere Produktion von alten Dingen einzuheimsende Gewinnmöglichkeiten verwirklichen sich ständig und fordern neue Investitionen. Diese neuen Produkte und neue Methoden konkurrenzieren die alten Produkte und alten Methoden nicht zu gleichen Bedingungen, sondern mit einem entscheidenden Vorsprung, der für die letzteren den Tod bedeuten kann. Auf diese Weise geht der "Fortschritt" in der kapitalistischen Gesellschaft vor sich. Um zu vermeiden, dass sie unterboten wird, ist jede Unternehmung letzten Endes gezwungen, dasselbe zu tun, muss ihrerseits investieren und muss, um dies tun zu können, Teile ihrer Profite in den eigenen Betrieb wieder hineinstecken, das heißt: akkumulieren. So akkumulieren auch alle anderen. "

Kein Ökonom vor Schumpeter konnte die schöpferische Kraft des kapitalistischen Wachstumsprozess so scharfsinnig formulieren. Es gibt Bücher und Gedankengänge, die sich nach dem Lesen einer einzigen Seite fast schon wieder verflüchtigt haben. Aber dann gibt es Texte, die mit einer derartigen Brillanz und Genialität geschrieben wurden, dass sie das eigene Denken ein Leben lang prägen. Die Bücher von Schumpeter sind derartige Meisterwerke. Ich lese gerade das 1100 Seiten starke "Konjunkturzyklen". Jedes Kapitel besitzt die Kraft mein eigenes Denken zu ändern, neue Ideen und Auffassung zu entwickeln und mein Verständnis ökonomischer Sachverhalte durch das Ringen mit den Argumenten zu vertiefen.

Die bevorstehende Elektroauto-Revolution wird die Wirtschaft aus zweierlei Gründen prosperieren lassen.

Erstens bedeutet Elektromobilität einen ungemeinen Effizienz- und Produktivitätsgewinn für die westlichen Volkswirtschaften. Unter dem Einsatz weniger Ressourcen und geringerer Kosten werden PKWs und LKWs in Zukunft Personen und Waren transportieren können. Der Import von Rohöl wird drastisch zurückgehen und an dessen Stelle entsteht innerhalb unseres Landes eine komplett neue Wertschöpfungskette der Energiegewinnung und Energiespeicherung.

Zweitens, und dies ist das durchschlagende Argument, das ich bislang noch von keinem Bankhaus, in noch keiner Konjunkturanalyse und noch in keiner Zeitung gelesen habe, werden Elektroautos die gesamte ökonomische Struktur unseres Landes von innen heraus revolutionieren. Dieser Prozess des Wandels, der von der Bevölkerung ängstlich betrachtet und von der Politik unbedacht bekämpft wird, ist in die Quelle eines enorm starken Wachstumszyklus’ wie ihn die Wirtschaft seit Durchdringung der Informationstechnologie ab den 1990er Jahre nicht mehr erlebt hat. Um den Anschluss nicht zu verlieren und nicht Gefahr zu laufen von neuen, innovativen Unternehmungen verdrängt zu werden, müssen die etablierten Konzerne Milliarden von Euro in Forschung und neue Produktionsstrukturen investieren, um eine konkurrenzfähige technologische Basis für Elektroautos zu erlangen. Automobilzulieferer, die ihr Geld mit der Wertschöpfung rund um Verbrennungsmotoren verdienen, werden gezwungen sein, sich komplett neu zu erfinden. Chemiekonzerne liefern sich ein Wettrennen, um das effizienteste Verfahren zur Energiespeicherung. Dieser Prozess der Runderneuerung eines bedeutenden Anteils unserer gesamten industriellen Wertschöpfungskette wird eine Lawine von realwirtschaftlichen Investitionen ins Rollen bringen, die in letzter Konsequenz unserem Land Wachstum und Wohlstand bringen werden.

Die Investitionslawine ist bereits ins Rollen gekommen! Als Konsequenz für Aktienmärkte gibt es in meinen Augen nur eine Schlussfolgerung. 2010 wird der DAX ein neues Allzeithoch markieren. Es gibt aus makroökonomischer Perspektive überhaupt keine nennenswerten Störfeuer. Die Zinsen sind niedrig, die umlaufende Liquidität gewaltig und die Preise sind stabil. Von Inflationsdruck gibt es keine Spur. Man könnte sich – abgesehen von den politischen Entwicklungen - kaum ein besseres Umfeld wünschen. Ich weiß, dass ich hiermit eine andere Meinung als vermutlich 80% der Ökonomen einnehme, die täglich im Fernsehen und in der Zeitung Unsinn von sich geben. Es handelt sich hierbei, um eine Generation von Ökonomen, die sich mit Scheuklappen in einer Welt der mathematischen Modelle bewegen und die eigentlichen wirtschaftlichen Triebkräfte noch nie richtig verstanden haben, was nicht verwunderlich ist, denn das heutige Hochschulsystem lässt keine Zeit, um die großartigen Texte von Samuelson, Hayek oder Schumpeter aufmerksam zu studieren. Stattdessen fordern Systeme aus Differentialgleichungen die gesamte Aufmerksamkeit eines Studenten. Der viel bedeutsamere ökonomische Scharfsinn verkümmert schon in seinem Anfangsstadium.

Fazit: Der Eintritt in das Elektromobilitäts-Zeitalter wird die komplette industrielle Struktur in einen gewaltigen Anpassungsmechanismus zwingen, der eine extreme realwirtschaftliche Investitionslawine auslösen wird. Das Wirtschaftswachstum wird ab 2011 deutlich anziehen und die Aktienmärkte stehen vor einer Haussebewegung wie zu Beginn der 1990er Jahre. Diese Hausse bietet die Chance ungeahnte Vermögenszuwächse zu erzielen. Meine Vorgehensweise hierzu verfolgen Sie bitte im MasterTrader Premium-Blog.

Dow Jones im Big Picture

Der Siegeszug der Informationstechnologie, die sämtliche Sektoren der Wirtschaft durchdrang und für ein deutlichen Produktivitätssprung sorgte, verhalft den Aktienmärkten in den 1990er Jahren zu einem ungeahnten Höhenflug. Ähnliches erwartet uns im Jahrzehnt von 2010 bis 2020! Nach einer verlorenen Dekade werden nun für alle Börsianer, die sich durch zwei Jahrhundertcrahs nicht haben einschüchtern lassen, die Schmerzensgewinne verteilt.

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Das Bild des "Börsenspekulanten" wird im Volksmund meist mit negativen Assoziationen belegt. Dabei ist der Beruf des Spekulanten ein edler und gerechter Beruf. Der Spekulant ist ein Denker. Er beobachtet aus der Perspektive eines Falken die Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und zieht daraus seine Schlussfolgerungen. Niemand verlangt von ihm Rechenschaft. "Das Geld, das man hat, verhilft uns zu Freiheit", sagt Rousseau. Für den Spekulanten ist es die Freiheit zu denken. Morgens beginnt der Tag für ihn auf seiner großzügig angelegten Veranda. Die frühmorgenliche Sonne ist für den Spekulanten der Startschuss  zu seinem spannenden Börsentag. Genüßlich schlürft er den ersten Kaffee und überfliegt die wichtigsten Tageszeitungen. Die Aktienkurse von morgen, sind die Zukunft von heute. Das große Geld verdient der Spekulant mit seiner Vision der zukünftigen Ereignisse!