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Endlich fließt wieder Geld in Aktienfonds!

Liebe Leser,

der wohl positivste Aspekt der aktuellen Aufwärtsbewegung ist die große Dynamik im Bankensektor. Der Optimismus von Commerzbank-Chef Martin Blessing, dass er die Kapitallücke des Geldhauses ohne Staatshilfe wird schließen können, steht symptomatisch für die gute Stimmung im Bankensektor – zumindest aus Investorensicht. Wir hatten erst in der letzten Ausgabe einen genauen Blick auf die Liquiditätsspritzen durch die EZB sowie die koordinierte Aktion internationaler Notenbanken Ende November 2011 geworfen. Und auch eine Woche später können wir feststellen, dass die Aktionen eine nachhaltige Wirkung auf die Aktienmärkte nicht verfehlen. Während die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen weiter deutlich abgenommen haben und sich die "Entspannungstendenzen" hier weiter fortsetzen, sollte man die Zinsentwicklung portugiesischer Staatsanleihen im Auge behalten. Diese waren vergangene Woche nämlich auf ein neues Hoch geklettert und markierten den höchsten Wert seit mindestens fünf Jahren. Daran sieht man deutlich, dass keineswegs jedwedes Risiko aus dem Markt gewichen ist und es keinen Grund zum Übermut gibt.

Aber auch ein weiterer sehr interessanter Puzzlestein lässt uns aufhorchen, gibt er doch einen Hinweis darauf, dass sich Dinge gerade tiefgreifender ändern. So hatten wir im NWI 47 ausführlich die Kapitalflüsse in und aus US-Aktienfonds analysiert und herausgefunden, dass Anleger soviel Geld aus Aktienfonds abzogen, wie zu Zeiten des Bärenmarktes 2008. Es wurde sogar insofern ein neuer Negativrekord aufgestellt, als es laut unserer Datenreihe noch niemals zuvor sechs aufeinanderfolgende Monate gab, in denen pro Monat mehr als $ 14 Mrd aus US-Aktienfonds abgezogen wurden.

Dieses Austrocknen der Aktienfonds könnte nun jedoch dem Ende entgegen gehen. So ermittelte der Finanzdatenanbieter EPFR laut faz.net, dass in der vergangenen Woche netto fast $ 3 Mrd in Aktienfonds geflossen waren. Fonds, die in europäische Anleihen anlegen und solche, die in Aktien investieren, haben sogar die größten wöchentlichen Zuflüsse seit mehr als zwei Jahren verbucht. Dass in der gleichen Zeit rund $ 12 Mrd aus sicheren Geldmarktfonds abgezogen wurden zeigt, dass das große Kapital gerade rotiert. Die Assetklassen also, welche aufgrund der Schuldenkrise und den Ängsten bezüglich einer großen Rezession, die ganze Zeit über verpönt waren, erfreuen sich nun wieder einer deutlich steigenden Beliebtheit.

In dieser Woche werden sich die Anleger auf die zahlreich zur Veröffentlichung stehenden  Geschäftszahlen großer Unternehmen konzentrieren. So werden in Deutschland unter anderem Siemens und Beiersdorf Zahlen vorlegen. Außerdem erwarten uns die neuen Zahlen des ifo-Instituts. In den USA erreicht die Berichtssaison einen Höhepunkt, da jeden Tag ein Börsenschwergewicht seine Zahlen vorstellen wird. Bislang lagen 60% der berichtenden US-Unternehmen mit ihren Zahlen über den Analystenschätzungen. Das ist erfreulich, liegt aber unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Nach dem dynamischen Kursanstieg der vergangenen Wochen, werden die Aktien bald wieder in den Korrekturmodus übergehen. Diesen wollen wir dann zum Aufbau neuer Positionen nutzen.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten
17.02.2012
Nasdaq vs S&P - Das gleiche Spiel wie im Herbst 2010?

Liebe Leser,

beim Blick auf die Charts der großen Indizes scheinen diese geradezu nach einer großen Korrekturbewegung zu schreien. Während der S&P500 DEN charttechnischen Knackpunkt bei 1370 Punkten erst noch überwinden muss, hat die Nasdaq den Deckel nach oben schon lange durchbrochen und ein sehr starkes Kaufsignal generiert.

Basischart: finanzen.net (zum Vergrößern klicken)

Die charttechnische Situation erinnert an den Spätherbst 2010, als die Aktienmärkte die durch den Flashcrash eingeleitete Konsolidierung von Mai bis Oktober endgültig abschlossen (Markiert mit grauen Ellipsen). Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass auch damals die Nasdaq als erster Index das letzte wichtige Zwischenhoch überstieg, welches kurz vor dem Flashcrash generiert wurde. Es ist aber auch zu erkennen, dass die erste positive Divergenz der Nasdaq ein Fehlausbruch war und es zunächst einer mehrwöchigen Konsolidierung bedarf, bevor dann im zweiten Anlauf auch der breite Aktienmarkt, hier repräsentiert durch den S&P 500, folgte. Innerhalb dieser Konsolidierung bildete die Nasdaq wiederum eine positive Divergenz in Form eines höheren Tiefs kurz vor dem Ausbruch aus.

Man sollte also momentan auf eine Korrekturbewegung an den Akteinmärkten durchaus gefasst sein, da die Charttechnik für ein solches Szenario schlagkräftige Argumente in Form eines wichtigen Zwischenhochs liefert. Dass es aber nicht zwingend zu einem erneuten Unterschreiten des bereits durchbrochenen Zwischenhochs bei der Nasdaq kommen muss, sagt uns ein entscheidender fundamentaler Faktor. Der Unterschied zum 2010er-Szenario besteht darin, dass die EZB seit Dezember die Märkte massiv mit Liquidität flutet und dieser Geldstrom die aktuelle Hausse über die Maßen hinaus befeuern kann. Die EZB stellte den Banken mit ihrem ersten Tender € 500 Mrd zur Verfügung. Da mittlerweile viele Banken bedauern, dass sie sich am ersten Tender nicht oder in zu geringem Maße beteiligt hatten, rechnen Marktbeobachter damit, dass der am 29. Februar ausgegebene zweite Drei-Jahres-Tender das Volumen des ersten nochmals übersteigen wird. Schon ohne den neuen Tender liegt die Überschussliquidität im Euroraum bei € 490 Mrd, obwohl sie eigentlich nahe null liegen sollte. Die Attraktivität der Aktie als immer noch moderat bepreister Sachwert sollte an dieser Stelle also nicht unterschätzt werden.

Natürlich ist es nicht vorherzusehen, ob nun eine etwas ausgedehntere Konsolidierungsbewegung an den Aktienmärkten eintritt oder nicht. Wir behalten jedoch im Hinterkopf, dass die Aufwärtskräfte in Form überschüssiger Liquidität sehr stark sind und sich gleichzeitig die Konjunkturaussichten deutlich aufgehellt haben. Diese Kombination ist in der Regel ein gefundenes Fressen für Aktionäre. Auf der anderen Seite darf man an den Finanzmärkten aber auch niemals zu blauäugig werden und gut gelaunt ins offene Messer laufen. Von daher bleiben wir konzentriert, halten das Risikomanagement ein und nutzen Korrekturen konsequent zum Positionsaufbau.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

15.02.2012
Die positiven Signale überwiegen weiterhin

Liebe Leser,

der DAX zeigte vergangene Woche eine leichte relative Schwäche zu den US-Indizes und hier allen voran gegenüber der Nasdaq. Am US-Technologieindex gingen die Sorgen bezüglich der groben Unstimmigkeiten in Griechenland fast spurlos vorüber und lediglich am letzten Handelstag der Woche gab das Barometer leicht um 0,64% nach. Um das recht laute mediale Echo hinsichtlich der DAX-Korrektur etwas einzuordnen, wollen wir das tatsächliche Ausmaß des Kursrückgangs zunächst etwas genauer erfassen. Der DAX startete am Jahresbeginn bei 5900 Punkten und stieg dann sehr dynamisch um rund 940 Punkte bzw. 16% auf bis zu 6838 Punkte an. Die Korrektur vom Freitag betrug per Tagesschluss 146 Punkte, also 2,1% vom Jahreshoch. Schaut man sich nur die Performance vom Montag (open) bis zum Freitag (close) an, so schlägt der Wochenverlust gerade einmal mit 0,89% zu Buche. Für die US-Indizes fällt diese Statistik noch sehr viel "kuschliger" aus. Dieses kleine Zahlenspiel zeigt also bereits, dass die Anleger außerordentlich gefasst auf die sich zuspitzende Lage in Griechenland reagieren. Liest man sich dagegen die Artikelüberschriften der Börsenberichterstatter durch, stößt man auf Termini wie "vermasselte DAX-Bilanz", "DAX knickt ein" oder "Ernüchterung an den Finanzmärkten". Wir wollen dagegen sehr viel moderatere Worte für den Kursrückgang wählen und sehen bislang lediglich eine sehr moderate Korrektur im dynamischen Aufwärtstrend. Mehr gaben die Kursverluste bis zur Erstellung dieses Artikels (11.2.) einfach nicht her und zwar auch deshalb nicht, weil selbst die mittlerweile steil verlaufenden GD 20 der großen Indizes noch nicht tangiert wurden. Die Aufwärtstrends sind also intakt und es ist zunächst von nichts anderem als einer gesunden Korrekturbewegung auszugehen.

In diese Richtung weisen auch die Marktreaktionen auf den überraschenden Milliardenverlust des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor Mittal. Obwohl die Analysten wohlgemerkt mit einem Gewinn im vierten Quartal gerechnet hatten, beendete das Papier die Woche deutlich im Plus. Der Grund: Im Ausblick kommunizierte man zwar eine Abschwächung der Stahlnachfrage für 2012, rechnet aber immer noch mit einer Steigerung um 4,5% und sah darüber hinaus sich stabilisierende Stahlpreise. Auch der Preis für das konjunktursensible Kupfer blieb stabil und gibt uns keine Hinweise auf größere Verwerfungen an den Aktienmärkten. Ebenso sind bei Gold und dem EUR/USD lediglich normale Korrekturen zu beobachten, während der im NWI 5/12 an dieser Stelle in den Fokus gerückte US-Hausbauindex am Donnerstag sogar ein neues 52-Wochen-Hoch generieren konnte. Zum Schluss sollen noch die Bankaktien erwähnt werden, die sich trotz wenig berauschender Zahlen einiger Großbanken sowie anhaltender Griechenland-Sorgen von ihrer besonnenen Seite zeigten.

Also was jetzt – alles eitel Sonnenschein? Nun, eine solche Einstellung ist an den Aktienmärkten natürlich niemals angebracht und sollte Griechenland bis zum Ultimatum am Mittwoch die gestellten Bedingungen nicht erfüllen und das zweite Kreditpaket über € 130 Mrd nicht ausgezahlt werden, sollte dies auch an den Aktienmärkten seine Spuren hinterlassen, sprich zu einer fortgesetzten Korrektur führen. Die problematische Situation Portugals rückte vergangene Woche nach Äußerungen Schäubles ebenfalls wieder in den Fokus, als er ein weiteres Hilfspaket für die Südeuropäer ins Spiel brachte. Während sich auch hier die Medien sehr besorgt zeigten, was im Grunde natürlich gerechtfertigt ist, fielen die Risikoaufschläge auf portugiesische Staatsanleihen weiter ab und erreichten per Freitag die Marke von 12,48%. Ende Januar musste Portugal wohlgemerkt noch 17,4% zahlen. In der Gesamtschau sehen wir in Aktienmarktkorrekturen also weiterhin gute Einstiegschancen und behalten unsere Watchlist dementsprechend genau im Auge.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

10.02.2012
Lebensversicherer brauchen steigende Aktienkurse

Liebe Leser,

am Freitag reagierten die Märkte euphorisch auf den US-Arbeitsmarktbericht. So hatte sich die Lage im Januar überraschend verbessert und außerhalb der Landwirtschaft stieg die Zahl der Beschäftigten um 243.000. Dies ist deutlich mehr als der erwartete Anstieg um 150.000 und stellt gleichzeitig das größte Plus seit April 2011 dar. Die Arbeitslosenquote sank sogar auf den niedrigsten Stand seit Februar 2009 (8,3%). Auch der ISM Dienstleistungsindex stieg stärker als erwartet an und befeuerte damit die ohnehin schon positive Wahrnehmung der Investoren.

Auf diese Nachrichten hin schossen die Aktienmärkte fast in ihrer gesamten Breite auf neue Mehrmonatshochs und generierten damit erneut ein starkes Kaufsignal. Die Anleihemärkte reagierten dagegen deutlich negativ auf die positiven Konjunkturmeldungen. Es rotierte also Geld von den (vermeintlich) risikolosen Staatsanleihen in die riskanteren Aktien, sodass man den Finanzmarktakteuren eine gestiegene Risikobereitschaft attestieren kann. Wirft man nun einen genaueren Blick auf die Chartbilder der Staatsanleihen, so kann man eine interessante Beobachtung machen: Der Bund-Future kapitulierte zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum sechsten Mal seit September 2011 vor dem Preisbereich € 139/140. Die 10-jährigen US-Notes drehten zum zweiten Mal in 2012 und insgesamt ebenfalls zum sechsten Mal vor der $ 132-Marke wieder nach unten ab. Analog dazu können Sie sich auch die Entwicklung der Renditen auf 10-jährige US-Notes (siehe Chart) anschauen, die sich naturgemäß genau entgegengesetzt zum Anleihepreis entwickeln (steigende Anleiherenditen = fallende Anleihekurse und vice versa).

Nachdem die Zinsen im September 2011 während einer Art "Anleiheflucht" auf fast 1,7% gefallen waren, konnte die Rendite seither die Marke von 1,8% nicht mehr unterschreiten. Man könnte dies so interpretieren, dass sich nach einem Panikspike im September nun ein Boden ausbildet.

Welche Ausmaße die Risikoscheu der Investoren mittlerweile angenommen hat, zeigte die Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe der Bundesrepublik am vergangenen Mittwoch. Der Bund konnte hier € 4,1 Mrd für lediglich 1,82% Zinsen aufnehmen, was die zweitniedrigste Verzinsung der Geschichte war. Die niedrigsten Renditen musste Deutschland im September 2011 mit 1,8% zahlen. Vor wenigen Wochen bezahlten die Gläubiger den Deutschen Staat sogar dafür, dass sie ihm Geld leihen dürfen. So fiel der Zinssatz auf Geldmarktpapiere mit sechsmonatiger Laufzeit auf minus (!) 0,0122 Prozent.

Derweil leiden die Lebensversicherer unter einem handfesten Anlagenotstand, da sie nicht mehr wissen, mit welcher Asset-Klasse sie ihren Kunden die versprochenen Zinsen erwirtschaften sollen. Die Versicherer müssen also die Verzinsung ihrer Produkte weiter senken und zahlen bei der am weitesten verbreiteten privaten Rentenversicherung erstmals Zinsen unter 4%. Dies macht ihre ohnehin schon wenig attraktiven Produkte noch unattraktiver und bringt die Finanzhäuser in die Bredouille. In dieser Situation versteht es sich von selbst, dass die Versicherer nur darauf warten, bis der Aktienmarkt wieder "grünes Licht" gibt, sodass sie aus Risikogesichtspunkten wieder in Aktien investieren dürfen und ihre Produkte dadurch attraktiver machen können.

Würde sich nun das Bild verfestigen, wonach die Anleihe-Hausse dem Ende zugeht und die oben genannten Preismarken nicht mehr überschritten werden (bzw. aus Sicht der Renditen unterschritten), wäre der Boden für eine breit angelegte Rotation von Kapital aus Staatsanleihen in Aktien bereitet. Wir werden die Entwicklung eines solchen Szenarios an dieser Stelle weiter verfolgen.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

02.02.2012
Sorgt der US-Immobilienmarkt für das nächste Konjunkturpaket?
Liebe Leser,

der DAX konnte vergangene Woche den Durchbruch über den GD 200 behaupten und bestätigte damit dieses starke Kaufsignal. Auch der Euro konnte seine dynamische Erholungsbewegung fortsetzen und suggerierte den Investoren ein intaktes Turnaround-Szenario an den Börsen. Weitere positive Signale senden die fortgesetzten Aufwärtsbewegungen von Gold, Silber und dem außerordentlich  konjunktursensiblen Industriemetall Kupfer aus. Die Zinsmärkte zeigen ebenfalls eine fortgesetzte Entspannung an. So sank der TED-Spread, als Gradmesser für den "Interbanken-Stress", kontinuierlich weiter ab und auch die Renditen auf 10-jährige italienische (unter 6%) und spanische (unter 5%) Staatsanleihen setzten ihren Sinkflug fort. Lediglich die Risikoaufschläge auf portugiesische Anleihen erreichten mit über 15% neue Rekordstände. Hinzu kam, dass FED-Chef Ben Bernanke die Märkte mit einer Ausweitung der Nullzinspolitik bis Ende 2014 überraschte.

Die Staaten untermauern ihre Absicht, bei den Banken nichts mehr anbrennen zu lassen

Der wichtige US-Bankenindex KBW setzte seine Konsolidierung fort und bewegte sich oberhalb des GD 200 weiter seitwärts. Die Konsolidierungen von Commerzbank und Deutscher Bank sehen  derweil sogar noch etwas bullischer aus, sodass die Aufwärtsbewegung in der "tragenden Säule" der Erholung – dem Bankensektor – intakt erscheint.

Unterstützend könnte hier zum einen die vorzeitige Einführung des dauerhaften Rettungsfonds ESM sowie die Reaktivierung des Bankenrettungsfonds SoFFin gewirkt haben. So wird der bisherige Rettungsschirm EFSF bereits ab Juli 2012 – und damit ein Jahr früher als ursprünglich geplant – vom ESM abgelöst. Der Hauptunterschied ist, dass die Staaten hier tatsächlich Milliarden einzahlen und nicht nur Kreditgarantien bieten müssen. Der ESM wird nun erstmals über einen echten Kapitalstock i.H.v. € 80 Mrd und ein zusätzlich abrufbares Kapital von € 620 Mrd in Form von Kreditgarantien verfügen. Die effektive Ausleihsumme beträgt € 500 Mrd. Mit dieser "Brandmauer" wollen die europäischen Währungshüter das Vertrauen der Investoren zurückbekommen, was angesichts der positiven Euroentwicklung auch zu gelingen scheint. Dazu passend, soll der ESM auch wieder mit der Bestnote AAA bewertet werden, die dem EFSF aberkannt worden war. Für Deutschland, als Euroland-Musterknabe, hat diese Medaille jedoch zwei Seiten. Einerseits ist man auf die Stabilisierung der Gesamtsituation angewiesen. Auf der anderen Seite trägt man mit rund € 22 Mrd Baranteil sowie € 170 Mrd an Garantien auch den Löwenteil und muss nun selbst neue Schulden dafür aufnehmen. Man sieht also, dass die Transferunion längst Wirklichkeit geworden ist.

Als zusätzlich stützend für den deutschen Bankensektor wirkte dann auch die vorübergehende Reaktivierung des Bankenrettungsfonds SoFFin, der 2010 ausgelaufen war. Dieser garantiert nun € 80 Mrd an staatlichen Finanzspritzen für in Not geratene Banken sowie weitere € 400 Mrd an Garantien. Der reaktivierte Fonds soll Ende 2012 wieder auslaufen und kommt gerade recht, um den Banken die Einhaltung der gestiegenen Eigenkapitalanforderungen bis zum Stichtag 30. Juni zu garantieren. Offiziell ist zwar kein deutsches Geldhaus auf staatliche Hilfen angewiesen, aber das Timing der Reaktivierung lässt diesbezüglich zumindest einen "Anfangsverdacht" zu. Die Anleger sehen diese Aktion jedenfalls positiv und honorieren, das der Staat hier nichts anbrennen lassen wird.

Die ifo-Uhr nähert sich der "Boom-Zone"

Die derzeitige Geschäftslage der deutschen Unternehmen wird zwar etwas weniger gut als im Dezember bewertet. Die für die Börse wichtigen Geschäftserwartungen haben sich allerdings merklich aufgehellt, sodass sich das Geschäftsklima nun zum dritten Mal in Folge verbessert hat. Wie Sie auf der ifo-Uhr sehen können, nähert sich dieses Konjunkturbarometer also zielstrebig dem "Boom-Bereich", was ein weiteres deutliches Zeichen dafür ist, dass wir nicht auf die vielbeschworene Rezession zusteuern. Im Gegenteil hellt sich Lage weiter deutlich auf.


Quelle: www.cesifo-group.de

Die US-Immobilienaktien haussieren: Schwingt sich die Erholung des Wohnungsmarktes zum neuen US-Konjunkturpaket auf?

Es gilt als ökonomische Binsenweisheit, dass die Situation im Wohnungsbausektor einen sehr großen Einfluss auf den Rest der Wirtschaft ausübt. Darum ist es aus konjunktureller Sicht auch sehr erfreulich, dass der Immobilienmarkt Index der National Association of Home Builders (NAHB) vergangene Woche den stärksten Anstieg seit 2006/07 verzeichnen konnte. Zur Berechnung des Index werden Bauunternehmer, die exzellente Kenner der aktuellen und zukünftigen Lage auf dem Wohnungsmarkt sind, zu ihren Einschätzungen und Beobachtungen befragt. Wie Sie auf der Grafik erkennen können, scheint die Talsohle am US-Immobilienmarkt durchschritten zu sein und die Lage sollte sich nach und nach weiter aufhellen. Ein sich wieder belebender Immobilienmarkt wäre wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm für die US-Wirtschaft. Sehen Sie sich nur den Chart des US-Hausbauindex PHLX an – dieser Hausse-Move und diese relative Stärke lassen jede andere Index-Erholung wie ein Waisenknabe aussehen. Es macht also tatsächlich den Anschein, als könnte 2012 die Erholung des Wohnungsbaumarktes als zusätzlicher starker Konjunkturimpuls der Wirtschaft weiteren Schwung verleihen. Mit ihrer  ausgeweiteten Niedrigzinspolitik befeuert die FED ein solches Szenario jedenfalls aktiv!


Quelle: www.markt-daten.de


Quelle: www.onvista.de

In der Gesamtschau ergibt sich also weiterhin ein positives Bild für die Aktienmärkte. Darum werden wir Korrekturen an den Märkten auch weiterhin zum Einstieg in Qualitäts-Nebenwerte nutzen, von denen wir genügend in petto haben.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten
17.01.2012
Die Pivotal Points geben weiteren Auftrieb
Liebe Leser,

aus marktstrategischer Sicht können wir uns über die abgelaufene Handelswoche nicht beklagen. Die Aktienmärkte setzten ihre Aufwärtsbewegung fort und es war ein Fokussieren auf die guten Nachrichten zu erkennen, während auf schlechte Meldungen mit relativer Stärke reagiert wurde. Lassen wir die wichtigsten Ereignisse im heutigen Intermarket Report nochmals Revue passieren: Merkel und Sarkozy bekräftigten, dass Griechenland ein Euroland bleiben solle und auch weiteren Hilfsmilliarden nichts im Wege stehe, wenn die neue Sparmoral erhalten bleibt. Dann gab Fitch Anfang der Woche Entwarnung für Frankreich und vermeldete, dass man in 2012 keinen Grund für eine Herabstufung sähe. Die US-amerikanische Notenbank FED ließ verlauten, dass sie mittelfristig mit einem zwar langsamen, aber stetigen Wirtschaftswachstum rechne. Als sehr wichtige und positive Marktreaktion sind schließlich die steigenden Kurse nach den Alcoa-Zahlen zu interpretieren. Hier fokussierten sich die Anleger nämlich auf den freundlichen Ausblick, wonach für 2012 mit einer um 7% steigenden Aluminiumnachfrage vor allem durch die Luft-, Raumfahrt- und Automobilindustrie gerechnet wird (2010 waren es +13% und 2011 +10%). Dass der Großkonzern im vierten Quartal einen Verlust verbuchen musste, sahen die Investoren dem Unternehmen dagegen nach.

Bullische Signale aus dem Bankensektor

Ein weiteres starkes Positivum war die Äußerung von Commerzbank-Chef Martin Blessing, dass er die Kapitallücke von € 5,3 Mrd ohne Staatshilfe und auch ohne große Kapitalerhöhung schließen möchte. Aufgrund dieser Nachricht war die Coba-Aktie auf Wochensicht mit einem Plus von fast 16% die mit Abstand stärkste Aktie im DAX, gefolgt von den Finanztiteln Deutsche Bank und Allianz. Im MDAX war die Aareal Bank mit einem Plus von 13% die zweitstärkste Aktie und in den USA brach der Bankenindex BKX aus der Seitwärtsrange aus und konnte sogar den GD 200 zum ersten Mal seit Mai 2011 per Wochenschluss überwinden. Man kann an dieser Stelle gar nicht genug betonen, dass auch im März 2009, also am Boden des Bärenmarktes, der Startschuss für den Bullenmarkt aus dem Bankensektor kam. Wir führten im NWI 44 aus, dass damals die Citigroup mit dem besten Quartalsergebnis seit 2007 den Pivotal-Point für die Aufwärtsbewegung setzte und auch diesmal erst ein Pivotal-Point die Märkte nach oben bewegen wird. Dazu aber weiter unten mehr.

Die indirekten Anleihekäufe der EZB funktionieren und Standard & Poors kann nur kurzfristig schocken

Die Banken scheinen zumindest Teile des € 500 Mrd-Tenders der EZB (siehe NWI 49) für Käufe problematischer Staatsanleihen zu verwenden, sodass die Notenbank-Aktion tatsächlich den Status eines Pivotal-Point einnimmt. So konnten Italien und Spanien vergangene Woche mehrere Milliarden Euro am Anleihemarkt aufnehmen und mussten dafür deutlich niedrigere Risikoaufschläge zahlen als noch bei den vorangegangenen Auktionen. Erfreulicherweise gaben auch die Renditen auf portugiesische und französische Anleihen deutlich nach. Da Italien 2012 mindestens € 337 Mrd, Spanien mindestens € 148 Mrd und Portugal mindestens € 25 Mrd frisches Kapital brauchen, sind gelingende Auktionen zu vernünftigen Zinsen das zentrale Element für die Überlebensfähigkeit der Staaten.


Italy Govt Bonds 10 Year; Quelle: www.bloomberg.com



Portuguese Govt Bonds 10 Year; Quelle: www.bloomberg.com

Am Freitag schickte sich dann die Ratingagentur Standard & Poors an, zur Abwechslung mal wieder zum "Spielverderber" zu avancieren und stufte gleich neuen Euro-Länder herab: Frankreich, Österreich, Malta, Slowakei, Slowenien (je 1 Stufe), Italien, Spanien, Portugal, Zypern (je 2 Stufen). Deutschland blieb dagegen Top-Schuldner und, neben der Slowakei, das einzige Euro-Land mit einem stabilen Ausblick.

Solange die Pivotal-Points halten, liegen die Chancen auf der Oberseite

Man fragt sich nun zurecht, wie all diese Positivfaktoren in das bisherige Bild zu integrieren sind. Schließlich warnten EZB-Chef Mario Draghi und die IWF-Chefin Christine Lagarde noch Mitte Dezember vor "beträchtlichen Abwärtsrisiken und einer tiefgreifenden Rezession". Nun, die zarten aber dennoch präsenten Hinweise auf eine Konjunkturaufhellung (vor allem in den USA; siehe NWI 50), die sinkenden Renditen auf Problemanleihen sowie die Aufbruchssignale im Bankensektor veranlassen uns zu dem Schluss, dass am Aktienmarkt die Chancen nach oben größer sind die Abwärtsrisiken und das Chance-Risikoverhältnis dementsprechend auf der Oberseite liegt. Die fundamentalen Verbesserungen finden ihren Niederschlag natürlich auch in den Chartbildern,  in welchen nun klare Pivotal-Points herauszuarbeiten sind. Im NWI 46 arbeiteten wir eine Volumen-Widerstandszone im S&P 500 zwischen 1220 und 1290 Punkten heraus, die nach wie vor gültig ist. Im untenstehenden Chart sind zusätzlich die wichtigen Pivotal-Points abgetragen.



Zieht man das Volumen als wichtiges Kriterium zur Beurteilung hinzu, dann ist dem 30.11.2011 sogar eine größere Bedeutung zuzusprechen als dem 20.12.2011, dem Tag der Ausgabe des € 500 Mrd-Tenders der EZB. Am 30. November wurden an der NYSE nämlich 1,67 Mrd Aktien mit einem Aufwärtsvolumen von 96% gehandelt, soviel wie seit dem 4. Oktober nicht mehr. Und wie Sie im Chart erkennen können, stellte der 4. Oktober DEN Umkehrtag schlechthin dar und wir verweisen an dieser Stelle gerne auf den NWI 38, als wir die besondere Bedeutung dieses Tages herausarbeiteten und schrieben, dass "die Bullen den Ball auf dem Elfmeterpunkt" haben. In dieser Ausgabe gaben wir dann auch zwei Kauforder auf und stiegen zwei Wochen später auch in unseren Highflyer Bertrandt ein.

Aber auf welche Nachricht genau reagierten die Märkte am 30. November so euphorisch?

Nun, es gab eine recht überraschende konzentrierte Aktion der Notenbanken Europas (EZB), der USA (FED), Großbritanniens, Kanadas, Japans und der Schweiz. Diese einigten sich darauf, bestimmte Zinssätze zu denen Geld verliehen wird zu halbieren. Genaugenommen wurde der Zinssatz für Dollar-Swaps (damit wird anderen Notenbanken Liquidität in Dollar zur Verfügung gestellt) von 100 auf 50 Basispunkte heruntergesetzt. Jetzt können sich vor allem europäische Kreditinstitute, die in den USA tätig sind, wieder besser in US-Dollar refinanzieren. Vor dieser Aktion konnten sich europäische Banken kaum mehr Dollar beschaffen, weil die US-Banken europäische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptierten. Jetzt können sich Europas Banken direkt bei der EZB billige Greenbacks beschaffen. Hinzu kam, dass die Notenbanken über ein "Liquiditäts-Netzwerk" die Geschäftsbanken in verschiedenen Währungen mit ausreichend Geldmitteln versorgen können, sollten hier Engpässe auftreten. Die Wirkung dieser Großaktion auf die Märkte ist also klar: Die großen Wirtschaftsnationen kooperieren im Falle eines Falles und werden nicht zulassen, dass es aufgrund der Staatsschuldenkrise zu einer Kreditklemme 2.0 kommt.

Zeitgleich senkte die chinesische Notenbank völlig überraschend zum ersten Mal seit drei Jahren die Mindesreserve-Anforderungen für Banken und ermöglicht den Geldinstituten dadurch eine Ausweitung der Kreditvergabe. In der Folge gelangt mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf und die chinesische Konjunktur wird angekurbelt. Die regressive Wirtschaftspolitik Chinas scheint also dem Ende zuzugehen und man nimmt den Fuß vom Bremspedal wieder etwas herunter. Bei allen Risiken die immer noch im Markt schlummern gibt es also genügend Argumente, sich allmählich wieder positiv am Aktienmarkt auszurichten.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank und Torsten
11.01.2012
Die US-Konjunkturindikatoren hellen sich auf
Liebe Leser,
seit der Ausgabe des EZB-Tenders (wir berichteten) bildete der Aktienmarkt seine volatile Aufwärtsstruktur weiter aus und vor allem die US-Indizes konnten die erreichten Kursniveaus auch halten. Wir dürfen also auf die US-Berichtssaison und die Ausblicke der Unternehmen gespannt sein. Besonders interessant werden die Prognoseberichte dahingehend sein, ob sie das positive Bild bestätigen, welches die Konjunkturdaten der vergangen Woche zeichnen. Schauen wir uns diese darum einmal genauer an:

Am Dienstag fiel der ISM Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe besser aus, als von den Analysten erwartet. Dieser Index gehört zu den wichtigsten überhaupt, da er bereits am ersten Geschäftstag eines jeden Monats erscheint und umgehend darüber informiert, wie es der Wirtschaft in den vergangenen vier Wochen ergangen war. Der Indikator ist so aktuell, dass sogar Mitarbeiter der Notenbank FED vor der Veröffentlichung über die Daten in Kenntnis gesetzt werden. Das Kalkül hinter dem Indikator ist einfach: Wenn sich die Produkte der US-Unternehmen einer steigenden Nachfrage erfreuen, dann reagieren die Einkäufer der Konzerne darauf, indem sie mehr Rohstoffe, Produktionsmaterialien etc. bestellen. Wie sie im Chart sehen können, beurteilten die Einkaufsmanager die wirtschaftliche Lage im Dezember wieder deutlich optimistischer und bestätigen damit den im November begonnenen Positivtrend.



Quelle: www.markt-daten.de

Ein weiterer viel beachteter Indikator, der in der vergangenen Woche deutlich besser als erwartet ausgefallen war, ist die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze. So schuf die US-Wirtschaft im Dezember laut Arbeitsministerium 200.000 mehr Stellen als sie strich (siehe Chart). Experten hatten lediglich mit einem Anstieg von 150.000 Stellen gerechnet. Mittlerweile seien 5,4 Millionen der 11,8 Millionen in der Finanz- und Wirtschaftskrise gestrichenen Stellen wieder aufgebaut worden. Da in den USA zwei Drittel des BIP am Konsum hängen ist die Nachricht, dass immer mehr Menschen bzw. Haushalte über neue Anstellungsverhältnisse wieder zu Geld kommen, natürlich sehr positiv. Denn nur wenn man die Möglichkeit hat Geld zu verdienen, kann man auch welches für den Konsum ausgeben und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. Die Daten des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP verzeichneten sogar den stärksten Anstieg neu geschaffener Jobs seit Beginn der Erhebung 2001.

So ist auch die Arbeitslosenquote zehn Monate vor der Präsidentschaftswahl mit 8,5% auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren gefallen.

Quelle: www.markt-daten.de

Ein weiterer Aussagekräftiger Frühindikator ist der monatlich veröffentlichte Index of Leading Economic Indicators (LEI), der zuletzt Mitte Dezember für den Monat November veröffentlicht wurde. Dieser war im Laufe des Jahres 2011 stark eingebrochen, zeigte zum Jahresende hin allerdings eine positive Trendwende an. Der Index setzt sich aus zehn Einzelindikatoren zusammen die dazu neigen, Veränderungen in der Wirtschaft voranzugehen. Dazu gehören verschiedene Arbeitsmarktdaten, Auftragseingänge, Baugenehmigungen und Konsumerwartungen, aber auch die Aktienkursentwicklung, die Geldmenge oder Zinsspreads. Die positive Tendenz des LEI wird durch die Datenlage der wöchentlich berechneten ECRI Frühindikatoren gestützt, da diese im Begriff sind sich nach dem starken Rückgang in 2011 zu stabilisieren.

Quelle: www.markt-daten.de

Im NWI 40 zogen wir an dieser Stelle die IFO-Konjunkturuhr zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage heran. Je weiter oben die jeweilige Koordinate liegt (vertikal), desto besser sind die Zukunftserwartungen. Je weiter rechts die Koordinate liegt (horizontal), desto positiver ist die Bewertung der aktuellen Lage. Wie Sie sehen, befindet sich die deutsche Wirtschaft immer noch im Abschwung-Modus, wobei sich die im Oktober begonnene Stabilisierung weiter fortsetzt. Ein detaillierter Blick auf die Veröffentlichung zeigt sogar, dass sich die Zukunftserwartungen der Unternehmen zum zweiten Mal in Folge leicht verbessert hatten, sodass die deutsche Wirtschaft weniger stark vom Abschwung Westeuropas tangiert zu sein scheint, als zu befürchten gewesen wäre. So zeigten sich am Freitag auch viele Investoren enttäuscht, als die Daten zu den Auftragseingängen der deutschen Industrie mit einem Minus von 4,8 Prozent unverhofft schlecht ausfielen. Analysten hatten lediglich mit -1,7 Prozent gerechnet.

Quelle: www.cesifo-group.de

Halten wir also fest, dass sich die Situation in der wichtigen US-Wirtschaft deutlich aufhellt, während es in Deutschland aufgrund der starken Auftragsrückgänge einen Rückschritt gab. So passt es auch ins Bild, dass der Euro deutlich nachgab und auch der DAX signifikante relative Schwäche gegenüber den US-Indizes zeigte. Genaueres zur wirtschaftlichen Lage werden wir ab dem 9. Januar erfahren, weil dann Alcoa traditionell die US-Berichtssaison eröffnet. Der genauere Blick auf die Konjunkturindikatoren zeigt also, dass die begonnene volatile Aufwärtsstruktur an den Aktienmärkten aus wirtschaftlicher Sicht gerechtfertigt ist. Die nach wie vor sehr hohen Risikoprämien auf 10-jährige italienische Staatsanleihen (rund 7%) sowie ständig auftauchende Meldungen über Probleme im Bankensektor mahnen uns allerdings, dass die europäische Schuldenkrise jederzeit wieder zurückschlagen kann. Von daher behalten wir im Hinterkopf, dass es wirtschaftlich besser wird, aber die Staatsschuldenkrise noch lange nicht ausgestanden ist und der Markt weiterhin Rückschlagrisiken ausgesetzt ist.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

05.12.2011
Intermarket Report nach der Notebank-Intervention
Liebe Leser,
im Intermarket Report richten wir den Fokus heute auf die Marktstruktur und nehmen hier die Volumenentwicklung genauer unter die Lupe. Aufgrund der Volumenanalyse hatten wir im NWI 35 den 8. August als den "Vater aller Paniktage" herausgearbeitet, der die Range nach unten begrenzt und im NWI 38 dann auf die hohe Bedeutung der Umkehr Anfang Oktober ("Die Bullen haben den Ball auf dem Elfmeterpunkt") verwiesen. Wie Sie gleich sehen werden, gab es seither wieder sehr interessante Entwicklungen bezüglich des Volumens.

Mehr lesen / Archiv ....
08.11.2011
Italien zwingt EZB und Politik auf neue Wege
Liebe Leser,
am Montagabend stellte der griechische Premier mit der unglaublich schlecht getimten Forderung nach einem Referendum über das Rettungspaket die Ergebnisse des vorangegangenen Euro-Gipfels kurzzeitig in Frage und stürzte die Märkte damit ins Chaos. Aber bereits einen Tag später, am vergangenen Mittwoch, nahmen sich Merkel, Sarkozy, Draghi (EZB-Chef) und Lagarde (IWF-Chefin) Papandreou in Cannes zur Brust, sodass dieser seinen zu diesem Zeitpunkt irrwitzigen Plan bereits am Donnerstag wieder aufgab. Stattdessen musste er sich am Wochenende der Vertrauensfrage unterziehen, die er dann auch gewann. Laut dem jetzigen Stand (Samstagabend) möchte Papandreou eine Übergangsregierung bilden, deren Zweck das Durchsetzen der vereinbarten Sparpakete ist, damit der Weg für weitere Hilfsgelder frei ist. Das Hin und Her hat allerdings die Renditen auf 10-jährige Anleihen auf fast 27% steigen lassen, was ein neues Allzeithoch bedeutet. Die Situation spitzt sich also weiter zu.
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02.11.2011
Der Pivotal Chart zur Schuldenkrise
Liebe Leser,

seit der Ankündigung des griechischen Referendums hat sich die Lage an den Aktienmärkten schlagartig verändert. Was Papandreou dazu veranlasste die übrigen EU-Staaten derart vorzuführen, soll zunächst sein Geheimnis bleiben. Machen Sie in diesem Umfeld bitte keine Experimente und stellen Sie den Kapitalerhalt an oberste Stelle. Unter den neuen Vorzeichen ist der gestrige NWI-Intermarket-Report von bedingter Aktualität. Den Pivotal-Chart zu den politischen Aktionen zur Finanzkrise stellen wir Ihnen aber dennoch auszugsweise zur freien Verfügung.

Die Rettungsaktionen und ihre Auswirkungen auf die Aktienmärkte

Vorab muss man festhalten, dass die politischen Aktionen zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise zwar maßgeblich die Entwicklung an den Aktienmärkten geprägt haben, diese aber auch von Konjunktursorgen oder den Querelen um die Anhebung der Schuldengrenze in den USA stark beeinflusst wurde. Darum gibt der unten stehende Chart zwar gute Anhaltspunkte bezüglich der Wirkung verschiedener Rettungsmaßnahmen, man sollte aber immer im Hinterkopf behalten, dass sie nicht die einzigen Determinanten im Gesamtbild darstellen. Zur besseren Lesbarkeit können Sie den Chart durch Anklicken vergrößern.



Die erste Rettungsaktion

Als das Schuldenproblem Griechenlands im zweiten Quartal 2010 zu eskalieren drohte, begann die EZB entgegen ihrem Mandat mit Ankäufen griechischer Staatsanleihen, stimmte der Bundestag dem ersten Rettungspaket zu und der EFSF wurde ins Leben gerufen. Die Aktienmärkte erlebten in dieser Zeit den Flash-Crash, konnten sich in einer volatilen Seitwärtsbewegung allerdings wieder stabilisieren und fanden im Anschluss an die Rettungsaktionen eine Basis für die 6-Monats-Hausse von September 2010 bis zum Februar 2011. Der Politik war es hier also am Ende gelungen die Märkte zu beruhigen und den drohenden Verfall zu stoppen. Es ist allerdings wichtig zu beachten, dass die Konjunktur in dieser Zeit noch volle Stärke zeigte und dies ein wichtiger Unterschied zur aktuellen Situation ist, in welcher alles auf eine wirtschaftliche Abkühlung hindeutet.

Die zweite Rettungsaktion und der August-Crash


Im Juli 2011 spitzte sich die Debatte um die Anhebung der Schuldengrenze in den USA sowie einer drohenden Herabstufung des Landes zu. Außerdem verdichteten sich die Hinweise auf eine anstehende konjunkturelle Abkühlung. Als sich dann auch noch die Griechenland-Problematik verschärfte und das Land das zweite Rettungspaket in Anspruch nehmen musste, brachen die Märkte Anfang August unter der Last zusammen. Ein wichtiger Puzzlestein war, dass auf dem EU-Sondergipfel am 21. Juli ein Beschluss gefasst wurde, wonach die europäischen Banken 21% auf ihre griechischen Anleihen abschreiben müssen. Quasi auf dem Fuß kamen europäische und besonders amerikanische Bankaktien unter Druck, und der US-Bankindex BKX ging in den freien Fall über. Aus Angst wurde Panik vor einem Lehman 2.0 aufgrund der Befürchtung, dass weitere Abschreibungen folgen werden und dies Banken zum Fall bringen kann. Dies wiederum hätte eine erneute Kreditklemme verursacht und direkt in eine neue Rezession führen können.

Vor dem August-Crash stellten sich Investoren also die Frage, wie stark die sich abzeichnende Konjunkturabkühlung ausfallen wird. Die Panik vor einem Bankenausfall fungierte dann als Zünglein an der Waage und das Spiel hieß: Rezession oder gar Finanzkrise 2.0. Die Marktkapitalisierung zyklischer Aktienwerte wurde eingestampft und es wurde ein deutlicher Gewinnrückgang eingepreist.

Die dritte Rettungsaktion und der feine Unterschied: die Banken


Am 8. August, dem "Vater aller Paniktage" (siehe NWI 35), begann die EZB mit Anleihekäufen italienischer und spanischer Staatsanleihen. Vor allem die wichtigen US-Indizes haben dieses Tagestief nur noch marginal unterschritten, sodass es bis heute eine sehr hohe Signifikanz hat. Ende September stimmte der Bundestag schließlich einer Erweiterung des EFSF zu und einen Monat später, am vergangenen Mittwoch, erreichten die Rettungsaktionen eine bis dato nicht gekannte Dimension (siehe oben). Dabei gibt es einen in unseren Augen zentralen Unterschied im Reaktionsmuster der Finanzmärkte zu beobachten: Während die Banken nach der Verpflichtung, 21% der griechischen Anleihen abzuschreiben teilweise massive Kursverluste verzeichneten, reagierten sie auf die 50-prozentige Abschreibung mit massiven Kursgewinnen. Beispielsweise legte die Commerzbank, die deutschlandweit mit am stärksten vom Schuldenschnitt betroffen ist, an einem Tag um rund 16% an Wert zu. Was sagt uns dies? Wenn die Katze aus dem Sack ist und der Markt auf schlechte Nachrichten bullisch reagiert, war alles Negative eingepreist und der Weg des geringsten Widerstandes führt nach oben. Diese Belastung ist nun erst einmal vom Tisch.

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24.10.2011
Was uns die Kursreaktionen auf die US-Zahlen über die aktuelle Lage verraten
Die Berichte der US-Unternehmen können sich bislang sehen lassen. Laut Thomson Reuters haben 70% der S&P-Unternehmen die Analystenerwartungen übertroffen und die Gewinne sind gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um 14,7% angestiegen. Vor drei Wochen war von den Experten "lediglich" ein Anstieg um 13,1% erwartet worden. Der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, wie vergangene Woche die Gewinne in Relation zu den Erwartungen ausfielen und wie die Aktie auf das Ergebnis reagierte (Tagesschluss):



11 der dargestellten 16 Großkonzerne konnten die Erwartungen übertreffen. Aber nur 6 der 11 "Überraschungskandidaten" konnten auch tatsächlich auf dem Fuß Kurszuwächse verbuchen. Insgesamt mussten 9 Aktien (56%) am Berichtstag Kursverluste hinnehmen, darunter 5 Werte, die die Prognosen eigentlich übertreffen konnten.

Betrachtet man die Entwicklung der Papiere an den Folgetagen so fällt auf, dass es – außer bei Apple - keine Anschlussverkäufe gab, sondern dass viele der Aktien sich wieder stabilisierten. So bildeten Coca-Cola, IBM, Wells Fargo und ebay allesamt im Laufe der Woche ein höheres Tief aus und Mc Donalds konnte sogar ein neues Allzeithoch generieren. Da viele Aktien im Vorfeld der Zahlen dynamische Anstiege verzeichneten, führten die guten Nachrichten also zu Gewinnmitnahmen und die Luft für große Kurssprünge war erst einmal raus. Die Tatsache allerdings, dass sich die Werte relativ schnell wieder stabilisierten und zum Teil höhere Tiefs ausbildeten spricht dafür, dass die Korrekturbewegung eher kurzfristiger Natur sein sollte.

Analysten und der verspätete Blick in die Zukunft

In der Regel hinken die Einschätzungen der Analysten den tatsächlichen Entwicklungen hinterher. Dies liegt daran, dass sie ihre Modelle erst dann überarbeiten können, wenn sich eine neue Faktenlage ergeben hat – dies braucht Zeit. Der Aktienmarkt hat dagegen eine sehr kurze Reaktionszeit und kann neue Informationen unmittelbar in die Kurse einarbeiten. Aus diesem Grund überrascht es nicht, dass die Analysten, nachdem der Aktienmarkt einen deutlichen Rückgang der Gewinne in den nächsten Quartalen bereits eingepreist hat, nun auch ihre eigenen Prognosen herunterschrauben. Vor allem aus Sorge um eine Konjunktureintrübung in Europa und China senken sie ihre Gewinnerwartungen für das vierte Quartal im Durchschnitt von +15% (Anfang Oktober) auf nunmehr +12,5%. Für das erste Quartal 2012 erwarten sie nicht mehr ein Plus von 10,2%, sondern nur noch von 7,6%. Da der Markt im Augustcrash quasi eine handfeste Rezession eingepreist hat (konjunktursensible Werte wie Salzgitter notieren 40% unter Buchwert), erscheint uns diese Prognosekorrektur sehr moderat. Es bleibt also vorerst abzuwarten ob der Markt aufgrund des psychologischen Belastungsfaktors "Schuldenkrise" überreagiert hat, oder ob die Analysten ihre Prognosen noch stärker herunterschrauben müssen. Die positive Entwicklung der Aktienkurse seit Anfang Oktober impliziert, dass es wohl doch nicht so düster werden sollte, wie befürchtet.

Was sagen die Konjunkturindikatoren?

Der ifo Geschäftsklimaindex fiel vergangene Woche zwar marginal besser aus als erwartet, deutet jedoch eindeutig auf eine intakte Abschwungphase hin (siehe Grafik). Zur Lesart: je weiter oben die jeweilige Koordinate liegt (vertikal), desto besser sind die Zukunftserwartungen. Je weiter rechts die Koordinate liegt (horizontal), desto positiver ist die Bewertung der aktuellen Lage. Die Lage wird im verarbeitenden Gewerbe also als recht gut eingeschätzt, während die Erwartungen zwar nicht düster, aber doch zurückhaltend sind.



ifo Konjunkturuhr; Quelle: cesifo-group.de

Als Frühindikator für den Aktienmarkt ist die "Uhrendarstellung" allerdings nur bedingt zu gebrauchen, wie der folgende Vergleich zeigt: Der letzte Bärenmarkt dauerte von Anfang Januar 2008 (Topp) bis März 2009 (Tief). Schaut man sich diese Zeitpunkte auf der ifo-Uhr an so erkennt man deutlich den nachlaufenden Charakter. So drehte die Uhr erst im März 2008 auf "Abschwung", als die Aktien schon drei Monate im freien Fall waren. Auch haussierten die Märkte schon über drei Monate lang, als die ifo-Zahlen im Juli 2009 offiziell den Aufschwung bestätigten. Interessanter als konkrete Trigger-Signale ist also die angezeigte Tendenz – und diese zeigt eine Abkühlung an. Mehr Informationen als diese erhält man auch nicht, wenn man sich andere Indikationen wie Industrieproduktion, Verbrauchervertrauen oder ECRI Frühindikatoren anschaut. Die Wirtschaft kühlt sich ab und niemand weiß genau, wie stark diese Abkühlung sein wird. Ein Faktor der in diesem Punkt jedoch für große Verunsicherung sorgt und bei positivem Ausgang eine entsprechend positive Wirkung auf die Märkte entfalten dürfte, sind die Wirrungen um die europäische Schuldenkrise.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

So hatte Angela Merkel ihre für vergangenen Freitag geplante Regierungserklärung kurzfristig abgesagt, da die deutsch-französischen Divergenzen eine Einigung hinsichtlich der EFSF-Konstruktion abermals verhinderten. Die Bundesrepublik möchte durch eine Art "Teilkasko-Versicherung" eine Hebelwirkung des EFSF erreichen. Dabei würde der Fonds 20-30% neuer Staatsanleihen von Schuldenstaaten absichern. Frankreich möchte dagegen eine Banklizenz für den Rettungsfonds, was konkret bedeuten würde, dass sich der Fonds direkt Geld bei der EZB besorgen und an kriselnde Länder weitergeben darf. Laut Vertrag der Währungsunion ist es aber verboten, dass die öffentliche Hand direkt Geldspritzen an Krisenländer verteilt. Die Politiker würden dadurch Zugang zur "Gelddruckmaschine" EZB bekommen. Zum Vergleich: Bisher ist es so geregelt, dass der EFSF im Krisenfall Anleihen im Volumen von € 780 Mrd auf dem Kapitalmarkt begeben kann und das aufgenommene Geld als Notkredit an in Schieflage geratene Länder weitergeben würde.

Die kurzfristige Absage der Regierungserklärung führte am Donnerstag in einer ersten Marktreaktion zu deutlichem Verkaufsdruck. Bereits am Freitag zeigten sich die Märkte allerdings wieder sehr stabil, da die Erklärung diesen Mittwoch nachgeholt werden soll. Der Druck auf Deutschland und Frankreich bleibt derweil hoch und wie man an den steigenden Aktienmärkten und dem erstarkenden Euro sieht, rechnen die Märkte fest mit einem positiven Ausgang.

Zwei Szenarien

Beim Zusammensetzen der verschiedenen Puzzleteile ergibt sich somit für uns folgendes Bild: Den Investoren ist klar, dass die Wirtschaft auf eine konjunkturelle Abkühlung zusteuert. Wie stark diese Abkühlung wird und ob sie sich tatsächlich in einer Rezession niederschlägt hängt allerdings davon ab, ob Europa das Schuldenproblem lösen kann. Szenario 1: Würde hier über eine waschechte Bankenkrise die Konjunktur einbrechen, würde dies aufgrund der globalen Vernetzung die Gesamtkonjunktur mitreißen und aus der Abkühlung könnte schnell eine Rezession werden. Die Märkte spielen momentan allerdings das zweite und weitaus positivere Szenario, wonach die Politik eine Eskalation der Schuldenproblematik verhindern kann und der Abschwung dann nicht so stark wird, wie während des August-Crashs befürchtet worden war.

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18.10.2011
Intermarket-Report: "Italien ist unser Brandschutz"
Liebe Leser,

am Samstag trafen sich in Paris die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 größten Wirtschaftsnationen der Welt, um den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang November vorzubereiten. Da die G20-Staaten für 85% der weltweiten Wirtschaftskraft stehen, hat eine Mahnung von Seiten dieses Gremiums Gewicht. So richtete man in der Abschlusserklärung ungewöhnlich klare Erwartungen an die Regierungen der Eurozone: "Wir freuen uns auf das Ergebnis des EU-Gipfels am 23. Oktober, die aktuellen Herausforderungen mit einem umfassenden Plan entschieden anzugehen." Im Klartext heißt dies, dass von den Regierungen der Euroländer bis zum kommenden Sonntag die Lösung der Schuldenkrise erwartet wird. Zuvor hatte bereits US-Präsident Obama im Alleingang diese Forderung laut vorgetragen, ganz zu Schweigen vom Druck, den die Kapitalmärkte schon seit geraumer Zeit auf schwache Euroländer und europäische Banken ausüben. Von Merkel und Sarkozy werden also immer vehementer konkrete Lösungsvorschläge eingefordert und sie werden unter steigendem Druck zu Kompromissen gezwungen.

So habe man sich bereits auf eine Rekapitalisierung der Banken geeinigt um die Voraussetzungen für einen Schuldenschnitt Griechenlands zu schaffen. Der Schuldenschnitt würde bedeuten, dass engagierte Banken auf 40 bis 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten müssen. Banken, welche die dann erforderlichen Abschreibungen nicht selbst tragen könnten, würden vom Staat gestützt werden.

"Italien ist unser Brandschutz"

Dieser Satz soll von Sarkozy stammen und macht deutlich, wie sehr gerade unsere westlichen Nachbarn unter Druck stehen. Irland, Portugal, Spanien und Griechenland befanden sich bereits im Kreuzfeuer der Märkte und Italien steht gerade besonders in ihrem Fokus. Sarkozy befürchtet nun, dass nach Italien Frankreich an der Reihe wäre, da die hiesigen Banken besonders stark in griechische Schuldpapiere investiert sind. Die BNP Paribas ist mit Forderungen i.H.v. € 3,5 Mrd an den griechischen Staat mit Abstand der größte Gläubiger unter den Banken. BPCE und Société Générale fordern gemeinsam rund € 2 Mrd (Quelle: ftd.de). Man sollte aber nicht vergessen, dass auch die Commerzbank (€ 2,4 Mrd) und die Deutsche Bank (€ 1,2 Mrd) stark betroffen sind.

Dass die Sorge der Franzosen berechtigt ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Risikoprämien. Während sich die Renditen in Portugal und Spanien auf hohem Niveau eingependelt haben, aber nicht mehr weiter ansteigen, hatten die italienischen Renditen vergangene Woche mit 5,9 % den höchsten Stand seit der Panik-Spitze Anfang August erreicht. Und dies trotz fortgesetzter Stützungsmaßnahmen durch die EZB. Sehr viel mehr Aufwärtsdynamik war allerdings bei der Risikoprämie auf französische Schuldverschreibungen zu beobachten. Binnen zwei Wochen stieg diese um rund 0,6 Prozentpunkte auf 3,13 % an. Dies ist absolut und relativ betrachtet noch kein Besorgnis erregender Wert. Die Dynamik des Anstiegs lässt allerdings aufhorchen und ist weiter zu verfolgen.



10-jährige italienische Staatsanleihen; Quelle: bloomberg.com



10-jährige französische Staatsanleihen; Quelle: bloomberg.com

Die plötzliche Kompromissbereitschaft bei Merkel und Sarkozy kommt also nicht von ungefähr. Die internationalen Kapitalmärkte sowie die mächtigsten Regierungen weltweit fordern schnellstmöglich eine konkrete Lösung des Problems ein. Wie immer, wenn der Druck zu groß ist, werden die Politiker auch liefern und am kommenden Sonntag ihr Ergebnis präsentieren. Es wird darauf hinauslaufen, dass die Stabilität der Banken im Umfeld des Schuldenschnitts staatlich garantiert wird, was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass sich manch ein Staat durch Rettungsmaßnahmen selbst in die Bredouille bringen kann. Dennoch sollte die Aussicht auf ein Ende der ewig schwelenden Schuldenproblematik die Aktienmärkte in ihrem Aufwärts-Bias weiter festigen.

Berichtssaison: Positive Impulse bei Aktien von Wirtschaftsunternehmen deuten sich an

Der Aluminiumkonzern Alcoa eröffnete die Berichtssaison am vergangenen Dienstag und konnte die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. Der Kurs rutschte allerdings nur sehr kurzfristig ab und stabilisierte sich rasch wieder, sodass auf Wochensicht sogar ein Plus von 2,3% verbucht werden konnte. An dieser ersten Marktreaktion ist abzulesen, dass die Anleger nicht panisch auf jedes Aufblitzen des Rezessionsgespenstes reagieren und die Abwärtsimpulse aus der Berichtssaison eher schwach ausfallen sollten. Alcoa Chef Klaus Kleinfeld hatte durchaus bemerkt, dass sich die Nachfragedynamik in Europa abschwächt, nannte als Hauptgrund dafür allerdings die Ängste wegen der Schuldenproblematik, über welche sich die Europäer selbst in eine Rezession "hineinsorgten". Aus Asien kämen ungebrochen positive Impulse, sodass der Umsatz um 21 % gesteigert werden konnte. Für dieses Jahr rechnet er trotz der Europa-Krise mit einem steigenden Aluminium-Absatz von 12 % und bis 2020 mit einem jährlichen Mehrverbrauch von 20 %. Die Weichen stehen also übergeordnet immer noch auf Wachstum.

Entsprechend dieser positiven Grundstimmung wurde Google für seinen Gewinnsprung mit einem Kursplus von 6% gefeiert und Pepsico schloss nach Zahlen 3% höher. Kritischer war man da bei JP Morgan Chase. Der Bank verzieh man die schlechten Zahlen nicht und strafte sie mit minus 4,8 % ab. Diese Differenzierung zwischen Industrie- und Bankaktien könnte sich durchaus als roter Faden durch die Berichtssaison ziehen, da die Geldhäuser noch am Freitag mit teils empfindlichen Abschlägen auf die Androhung von Herabstufungen durch Fitch reagierten und sich auch charttechnisch lange nicht so stabil zeigen, wie die Aktien der Wirtschaftsunternehmen.

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11.10.2011
Volumenanalyse und Interpretation des Aktienmarktes
Liebe Leser,

die Aktienmärkte zeigten sich in der vergangenen Woche fast schon resistent gegenüber schlechten Nachrichten und starteten am Dienstag einen markanten Aufwärtsimpuls. Im Intermarket Report haben wir uns dieses Marktverhalten aus volumentechnischer und marktpsychologischer Sicht etwas näher angeschaut. Bitte beachten Sie, dass diese Analyse bereits am Samstag erstellt wurde und die jüngsten politischen Entwicklungen deswegen nicht berücksichtigt.

Die Volumenanalyse zeigt, dass die Bullen den Ball auf dem Elfmeterpunkt haben

Im Nebenwerte Investor Nr. 35 wurde an dieser Stelle der 8. August als "Vater der Paniktage" herausgearbeitet, der die untere Range im S&P500 abstecken sollte. Bislang hat dies mustergültig funktioniert und der kurzfristige Bruch der Marke am vergangenen Dienstag trägt momentan noch den Anschein eines Fehlausbruches. Da Tagen mit extremem Volumenverhalten oft eine größere Bedeutung zukommt, wollen wir uns die auffälligsten Tage seit Anfang August noch einmal genauer anschauen.

Seit dem Panik-Peak am 8. August (siehe NWI 35) gab es 4 Handelstage mit Volumenspitzen und einen weiteren Tag, der durch ein besonders hohes Abwärtsvolumen auffiel. Diese Tage sind im Chart markiert. Am 18. August wurden an der NYSE 1,62 Milliarden Aktien gehandelt, wovon rund 99% Kursverluste verbuchen mussten; die Put-Call-Ratio, ein Angstbarometer, erreichte mit 1,49 ein Spitzenniveau und den höchsten Wert seit der Flash-Crash-Korrektur, als die PCR am 20. Mai 2010 bei 1,53 schloss. Der Abwärtsdruck war also enorm groß, reichte jedoch nicht aus um den Index auf ein neues Tief zu drücken. Dies sagt uns, dass die Bären hier kräftig Pulver verschossen hatten, aber nicht mehr erfolgreich waren. Und so führten auch die folgenden hochvolumigen 96- und 97-prozentigen Abwärtstage nicht mehr zu einer Fortsetzung des Abverkaufs und einem nachhaltigen Bruch des Paniktiefs vom 8. August. Treten an Widerständen oder Unterstützungen hohe Volumina auf, ohne dass es zu weiteren Kursgewinnen oder -verlusten kommt, so spricht dies in der Regel für ein Ende oder zumindest eine deutlich nachlassende Dynamik der vorangegangenen Trendbewegung.



Am vergangenen Mittwoch erlebten wir sodann einen fast mustergültigen Turnaround-Tag in den wichtigen US-Indizes. Diese eröffneten zu Handelsbeginn entweder mit einem Down-Gap oder wurden stark abverkauft. Im Tagesverlauf drehte sich das Blatt allerdings völlig, sodass die Kurse am Abend deutlich über den Eröffnungen und vor allem weit oberhalb der Tiefkurse schlossen. Da an diesem Tag mit 1,66 Milliarden gehandelten Aktien das dritthöchste Handelsvolumen seit der Crashbewegung Anfang August gemessen wurde, ist die Umkehrbewegung als signifikant einzustufen. Dass an diesem Tag 86% der gehandelten Aktien Kursgewinne verzeichneten, bestätigt das positive Szenario.

Die Bullen haben den Ball also auf dem Elfmeterpunkt liegen und müssen nun liefern. Aus preislicher Sicht haben sie dies auch getan, da bis zum Wochenschluss konstante Kursgewinne zu verzeichnen waren. Das Volumen hatte zwar wieder abgenommen, verharrte jedoch bis zum Wochenschluss bei steigenden Notierungen über 1,1 Milliarde gehandelten Aktien. An den beiden Folgetagen nach dem Umkehrtag wurde sogar ein Aufwärtsvolumen von 83% bzw. 94% verzeichnet, was die Aufwärtsbewegung grundsätzlich stützt. Von dieser Warte aus stehen die Chancen also nicht schlecht, dass das nächste Preistief ein höheres wird und sich eine Aufwärtsstruktur ausbilden kann.

Verändertes Marktverhalten: Gute Nachrichten wirken stärker als schlechte

Immer dann, wenn die Börse trotz schlechter Nachrichten steigt, ist es Zeit inne zu halten und über einen anstehenden Paradigmenwechsel nachzudenken. Was waren die schlechten Nachrichten?
  • Der belgisch-französische Kommunalfinanzierer Dexia hatte zwar im Sommer noch den europäischen Stresstest glatt bestanden, hatte jedoch jüngst Liquiditätsprobleme und kann sich nun nicht mehr selbst helfen. Die Bank ist mit insgesamt € 21 Mrd in Anleihen europäischer Schuldenstaaten engagiert und hat hier noch deutlichen Abschreibungsbedarf. Mit einer Bilanzsumme von € 520 Mrd ist das Geldhaus systemrelevant, soll nun zerschlagen und von Frankreich und Belgien aufgefangen werden. Da Belgien aber selbst hoch verschuldet ist, drohte die Ratingagentur Moody's dem Land bereits mit einer Abstufung der Bonität.
  • Moody's stuft die Bonität der britischen Großbanken RBS und Lloyds ab und Fitch senkt den Daumen für Italien und Spanien.
  • Die Deutsche Bank korrigierte ihre Gewinnwarnung aufgrund der sich ausweitenden Staatsschuldenkrise für das 2011 nach unten.
Viel stärker fokussierte sich der Markt dagegen auf die positiven Nachrichten. So teilte EZB-Chef Jean-Claude Trichet nach seiner letzten Ratssitzung am Donnerstag mit, dass die Leitzinsen unverändert bei 1,5% verharren. Dies war keine große Überraschung und von den meisten Analysten so erwartet worden. Wichtiger war die Bereitstellung langfristiger Liquiditätslinien für Banken, wonach die Geldhäuser im Oktober bzw. Dezember für 12-13 Monate soviel Geld bekommen, wie sie benötigen. Dieser sogenannte 12-Monatstender bewährte sich bereits in der Finanzkrise und führte damals zu mehr Vertrauen der Banken untereinander. In der Krise legte die EZB insgesamt drei dieser Tender auf, wobei sich beim ersten europaweit über 1000 Euro-Banken insgesamt € 442 Mrd ausliehen. Es wird also interessant sein, wie groß die Nachfrage diesmal sein wird.

Die US-Berichtssaison wird den nächsten Impuls geben

Am Dienstag startet Alcoa traditionell die US-Berichtssaison. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahlen und Ausblicke ein wichtiger Impulsgeber für den weiteren Kursverlauf an den Börsen sein werden, da sie den Anlegern Klarheit über die tatsächliche Situation in der Realwirtschaft geben werden. Von daher blicken wir gespannt auf die nächsten Wochen und werden abwarten, ob die Bullen ihren Elfmeter verwandeln können.

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