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Editorial Ausgabe Nr. 251

Liebe Leser,

China hat Probleme, auf man glatt neidisch werden könnte. Die Regierung wies die großen Banken an, im Januar erst einmal keine weiteren Kredite zu vergeben, um das stramme Wachstum etwas abzubremsen. Im vierten Quartal 2009 dürfte die chinesische Wirtschaft um etwa 11 Prozent gewachsen sein. Wir haben da ganz andere Sorgen, zum Beispiel Journalisten, die mit aller Gewalt aus den hohen Wachstumsraten in China eine Blase konstruieren, aber das ist vollkommener Quatsch. China hat momentan den gewaltigen Vorteil, durch Verwendung oder Imitation westlicher Technologien, die Produktivität seiner Industrien massiv steigern zu können. Das können Sie sich in etwa so vorstellen: Wenn ein Bauer, der seine Felder mit Esel und Holzpflug bestellt, auf einmal einen Traktor und anderes Gerät bekommt, dann wird er einen wesentlich höheren Ernteertrag erwirtschaften. Solange China technologisch zurück hinkt und kaum etwas selber entwickeln muss, sondern sich an etablierter Technologie bedienen kann, werden die hohen Wachstumsraten zwangsweise anhalten.

Der US-Dollar steigt gegenüber dem Euro und ich erwarte, dass diese Tendenz anhalten wird. Deutschland und andere europäische Staaten steuern immer mehr auf japanische Verhältnisse zu, so dass er einzige Zufluchtsort, wo in Zukunft noch hohe Wachstumsraten zu erwarten sind, die USA sind. In Japan siechen dutzende großer Konzerne vor sich hin, weil die Regierung Konkurse mit aller Gewalt verhindert, zum Beispiel indem sie große Banken anweist, überschuldeten Firmen weiterhin Kredite zu gewähren. Eine Ökonomie, in der schlechte Unternehmen nicht Pleite gehen, wird irgendwann genau so produktiv wie ein von Beamten geführter Verwaltungsapparat. Deutsche Politiker übernehmen sämtliche schlechten Politikinstrumente, solange diese Wählerstimmen bringen. Die Kurzarbeit müsste genau genommen eine Erfindung des Teufels sein, denn ihre schädlichen Wirkungen sind immens. Etwa 15 Milliarden Euro kostete sie den Staat in 2009, mit dem Ergebnis, dass schlechte Firmen Überkapazitäten haben und produktive Firmen, die eigentlich wachsen könnten, kaum hochqualifiziertes Personal finden. Somit sprengt die Kurzarbeit den Staatshaushalt und langfristig schwächt sie das Wachstum.

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger
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