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Editorial Ausgabe Nr. 330

Sehr geehrte Damen und Herren,

das wirtschaftspolitische Feuilleton ist auf einem intellektuellen Tiefpunkt angekommen. Die Zeitungen sprechen mit ihren Schlagzeilen offensichtlich nur noch die "Animal Spirits” ihrer potenziellen Leserschaft an. Mit Sehnsucht auf eine Besserung lese ich in diesen Tagen die Bücher der Freiheitsphilosophen aus den 70iger Jahren. Damals trieb der kalte Krieg die Fürsprecher des Kapitalismus zu wortgewaltigen Laudatios auf den freiheitlichen Mensch und Wirtschaftsakteur an. In brillianten Analysen wurde die Bedeutung von Eigentumsrechten und Freiheit für den Wohlstand herausgearbeitet. Und so hänge ich an den Worten von Friedman und Rose und wünsche mir, dass endlich wieder eine Welle liberalen Denkens unser Land erfasst.

Die wichtigen Fragen werden überhaupt nicht mehr gestellt. Warum bezahlen die Bürger die Rente anderer Menschen, anstatt einfach selbst für ihr Alter vorzusorgen? Wie ist der Gedanke freiheitlichen Unternehmertums noch mit den tyrannischen Bürokratieauflagen des Staates zu rechtfertigen?. Haben wir nicht längst einen Punkt erreicht, an dem die hohe Steuerquote die Motivation mittelständischer Unternehmer zerstört?  Ich möchte den Grund für die Finanz- und Bankenkrise exakt formulieren. Fehlende Eigentumsrechte und fehlende Kontrollmöglichkeiten über das private Eigentum sind die Ursache der Krise. Bitte winken Sie nicht ab, sondern denken Sie mein Argument zu Ende. Ich nenne Ihnen zwei Beispiele:

Beispiel 1: Wenn eine Bank in einem schlechten Jahr mehrere Milliarden an Euro an Bonuszahlungen ausschüttet, dann erfolgt dies aus einer Selbstbedienungsmentalität des Managements heraus und nicht aus dem Willen der Eigentümer. Die Eigentümer - das sind mehrere tausend Aktionäre - haben die Kontrollmöglichkeit über ihr Eigentum verloren. Das bestehende System der Aufsichtsräte als Bewacher der Aktionärsrechte funktioniert nicht, sobald der Streubesitz groß ist.

Beispiel 2: Ein  Unternehmer erhält für ein Endprodukt, das er für 100€ verkauft, nach allen Steuerabgaben und staatlich aufgezwungenen Bürokratiekosten, noch etwa 37€. Wie kann sich die Politik nun wundern, dass die Eigenkapitalquoten niedrig
sind und die erste Krise Insolvenzgefahr birgt?

Fazit: Lieber Staat, schütze das Eigentum deiner Bürger! Das bringt mehr Wohlstand für alle.

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger
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