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Editorial Ausgabe Nr. 332

Liebe Abonnenten,

der kleine Hoffnungsschimmer am Konjunkturhorizont wird von den Aktienmärkten ausgiebig gefeiert. Wenn wir am Ende glimpflich durch die Finanzkrise kommen, die nahezu jeder großen Bank ohne staatliche Hilfe das Genick gebrochen hätte, dann haben wir das großteils den Zentralbanken und unserem modernen Geldsystem zu verdanken. In der öffentlichen Debatte besteht hier eine ganz große Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit. Die Schlange derer, die das Papiergeldsystem verteufeln, wird immer länger. Die Gegner unseres Geldsystems warnen vor Hyperinflation und fordern ein rohstoffgedecktes Währungssystem, in dem die Geldmenge nicht einfach ausgeweitet werden kann. Das wäre eine Katastrophe für unseren Wohlstand, liebe Leser, was auch die Geschichte mehrfach bewiesen hat:

Der klassische Goldstandard dauerte von 1870 bis 1914. Dollarscheine konnten zu einem fixen Umtauschverhältnis in Gold gewechselt werden. Während des ersten Weltkrieges benötigen die Staaten Geld, um die Kriegskosten zu finanzieren. Die Golddeckung wurde einfach abgeschafft und die Gelddruck-maschinen angeworfen. Der Versuch den Goldstandard wiederzubeleben, scheiterte in den 1920er und 1930er Jahren kläglich. Als die Weltwirtschaftskrise 1929 hereinbrach, waren die Notenbanken ihrem wichtigsten Instrument zur Konjunkturstabilisierung beraubt. Sie konnten der Kreditklemme und den Bankenzusammenbrüchen nichts entgegen setzen. Die Welt versank mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um etwa 35% im Chaos. In Deutschland nutzte die NSDAP die Massenarbeitslosigkeit von über 40%, um an die Macht zu gelangen. Der bislang letzte Versuch eine Goldbindung zu etablieren, scheitere in den 1970er Jahren als das sogenannte Bretton-Woods- System, das die Schwankungsbreite der Währungen in einem Band von 1% beschränkte, aufgegeben werden musste.

Hätten wir letztes Jahr einen Goldstandard gehabt, wären das gesamte  Bankensystem zusammen gebrochen und ein Großteil der Bevölkerung hätte ihre Einlagen verloren. Ich bin froh darüber, dass wir diese archaische System hinter uns gelassen haben und dass die Zentralbanken über eine schlagkräftige Interventionsmöglichkeit verfügen. Ich verstehe die Menschen nicht, die einen neuen Goldstandard fordern.

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger
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