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Editorial Ausgabe Nr. 334

Liebe Abonnenten,

gerade war ich drauf und dran mich an die Grabesreden auf unsere Wirtschaft zu gewöhnen, da fangen auf einmal die Zeitungen an, von einem baldigen Ende der Rezession zu schreiben. EZB-Chefbänker Jean-Claude Trichet spricht gar davon, dass einige Länder ihre konjunkturellen Tiefpunkte bereits überschritten hätten. Das ist natürlich eine starke Ernüchterung für die neokommunistischen Romantikgefühle in der deutschen Gesellschaft. Wer es zu wenig gebracht hat, darf neuerdings wieder lautstark nach staatlicher Umverteilung schreien, um endlich "soziale Gerechtigkeit” herzustellen. In den politischen Talkshows wird augenblicklich jeder gebrandmarkt, der Gerechtigkeit nicht mit Gleichheit verbindet. Dabei war Ungleichheit schon immer der Faktor, der Menschen motiviert und inspiriert hat. Die Geschichte des Tellerwäschers, der zum Millionär aufsteigt, kann in einer Welt, die von der kollektiven Verarmung durch einen Umverteilungsstaat geprägt ist, nicht erzählt werden. Warum wundern sich Politiker eigentlich, dass keine Autos mehr von BMW und Daimler gekauft werden? Wenn jeder gutverdienende Bürger die Hälfte an den Staat abführen muss, ist ein leerer Konsumgeldbeutel doch die logische Schlussfolgerung. Die große Gefahr für den Wohlstand unserer Gesellschaft ist und bleibt der ausufernde Umverteilungsstaat.

Es wird nicht mehr lange dauern bis die asiatische Wachstumsdynamik auf die Volkswirtschaften in Europa niederschlägt. China dürfte 2009 um etwa 7% wachsen und hat sich damit der Weltrezession quasi entzogen. Ich spreche immer gerne davon, dass uns 2010 bis 2020 das goldene Jahrzehnt der Weltwirtschaft bevorsteht. Mein Argument dafür ist stichhaltig und präzise. Momentan verdienen Arbeiter in China und Indien nur 10% der europäischen Gehälter. Durch die Globalisierung haben chinesische Firmen Zugriff auf westliche Technologie. Gewinnmaximierende Firmen entlohnen mit der Grenzproduktivität. Gleiche Technologie bedeutet letztendlich gleicher Lohn. Weil das Lohngefälle zwischen Europa und China derart hoch ist, werden die Asiaten ganz unvermeidbar noch viele Jahre fruchtbaren Wachstums erleben. Und so wird der kommende, von Asien angetriebene Aufschwung erneut das eigentliche Problem von uns Deutschen verschleiern: Nämlich dass die Binnenkonjunktur aufgrund der exorbitant hohen Staatsquote wieder einmal komplett abgewürgt wird.

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger
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