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Editorial Ausgabe Nr. 339

Liebe Abonnenten,

letzte Woche bei Markus Lanz wäre ich am liebsten in den Fernseher gesprungen und hätte Dirk Müller alias Mr. DAX die Meinung gegeigt. Dass Dirk Müller, trotz offensichtlich nicht vorhandener ökonomischer Bildung, immer noch als Börsenexperte eingeladen wird, mag verwundern, passt aber zur heutigen Zeit. Moral und Investments müssen miteinander kombiniert werden, meint Müller, in voller Vorfreude auf den Publikumsapplaus. Man dürfe nicht in Agrarrohstoffen spekulieren, denn sonst treiben milliardenschwere Fondsmanager mit diesem Geld die Agrarpreise nach oben und Menschen in Indonesien müssten hungern. Er meint es gut, liebe Leser, aber wenn sich diese Meinung durchsetzt, dann wird es bald wieder Hungersnöte geben, denn er hat von Ökonomie keine Ahnung.
Die Marktwirtschaft funktioniert, weil durch den Preismechanismus das egoistische Streben jedes Einzelnen zu einem für die Allgemeinheit  wünschenswertem Ergebnis gelenkt wird. Das ist eine der größten wissenschaftlichen Entdeckungen in der Geschichte der Ökonomie. Adam Smith wählte die Metapher der "unsichtbaren Hand” um zu beschreiben, was auf den ersten Blick vollkommen widersprüchlich erschien. In einer Marktwirtschaft, wo Angebot und Nachfrage über ein Preissystem gesteuert werden, garantiert das Streben jedes Einzelnen nach Selbstverwirklichung und Profit, dass die Wohlfahrt der gesamten Gesellschaft gesteigert wird. Eine unsichtbare Hand scheint die Dinge so zu lenken, dass alles einen guten Lauf nimmt.

Ein Beispiel wie gut das Preissystem die Wirtschaftsaktivität lenkt, zeigen die hohen Weizenpreise zu Beginn des Jahres 2008. Die Nachfrage nach Weizen war höher als das Angebot. An den Terminmärkten verdreifachte sich der Weizenpreis und das Scheffel kostete zeitweise über 1000 USD. Politiker schimpften über die bösen Spekulanten anstatt sie zu beglückwünschen, denn nur durch den hohen Preis wurde die weltweite Produktion massiv ausgeweitet. Wie soll ein Bauer in Nordamerika oder Osteuropa wissen, dass er die Produktion massiv erhöhen muss, weil in Asien die Nachfrage steigen wird? Er erhöht die Produktion nur dann drastisch, wenn er sich an den Terminmärkten einen guten Verkaufspreis zum Zeitpunkt der Ernte sichern kann. Hohe Terminmarktpreis haben eine höhere landwirtschaftliche Produktion in der Zukunft zur Folge, Herr Müller!

Viele Grüße
Simon Betschinger
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