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Editorial Ausgabe Nr. 344

Zwischen 1780 und 1800 startete die erste Innovationswelle, die bis 1840 den Wohlstand in Europa spürbar ansteigen ließ. Historiker bezeichnen diesen Startschuss des wirtschaftlichen Wachstums als industrielle Revolution. Seitdem gab es in regelmäßigen Abständen Phasen, die durch technologischen Wandel gekennzeichnet waren und die bestehende Industriestrukturen radikal veränderten. Die mechanisierte Fabrik, die elektrifizierte Fabrik, die Entdeckung der Chemie, oder in der Sprache der Güter gesprochen: Eisenbahnen, Autos, Elektrizität, Fernseher, Flugzeuge, Informationstechnologie. Wichtig für uns zu wissen ist, dass in all diesen Epochen der radikalen Veränderungen die Wirtschaft sprunghafte Wachstumsraten verzeichnete und die Aktienmärkte haussierten. Die pulsierende Schlagader dieser wirtschaftlichen Wachstumsphasen waren innovative Unternehmen. Die etablierten Platzhirsche mussten Milliardeninvestitionen tätigen, um den Anschluss an eine neue Technologie nicht zu verpassen. Gleichermaßen versuchten Gründerfirmen als Newcomer einen Markt von Grund auf zu erobern. Gravierende technologische Veränderungen führen im Kapitalismus zu einem unnachgiebigem Investitionsdruck.

Genau vor so einer Phase der sprunghaften, wirtschaftlichen Ausdehnung stehen wir jetzt zu Beginn des Zeitalters der Elektromobilität. Daimler, Bosch, Continental, BMW und alle anderen etablierten Konzerne tätigen nun massive Investitionen, um zu den ersten zu gehören, die Elektroautos anbieten können. Daneben entstehen konkurrierende Neugründungen, die mit dem Geld ihrer Investoren neue Fabriken und Forschungszentren errichten und in den Wettlauf, um eine effiziente Möglichkeit der mobilen Stromspeicherung einsteigen. Weil Elektroautos eine mobile Energiequelle benötigen, steht die Wertschöpfungskette auf dem Kopf. Statt der arabischen Ölscheichs stehen an deren Ende nun zum Beispiel die Chemiekonzerne, die chemische Substanzen für die Batterietechnologie liefern. Fast jeder Winkel der Wirtschaft dürfte von der Elektromobilität in irgend einer Weise erreicht werden und wenn es am Ende die Bürger sind, die nach Feierabend ihre Autos über die einheimische Steckdose aufladen. Dieser kommende Innovationszyklus wird die Welt verändern - ausschließlich zum Positiven. Glücklicherweise gibt es in Deutschland nun auch keine politischen Störfeuer mehr.

Viele Grüße
Simon Betschinger
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