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Editorial Ausgabe Nr. 347

Liebe Leser,

die meisten Banken weltweit verdienen wieder gutes Geld. Das ist prinzipiell auch richtig so, weil solide Finanzinstitute ein wichtiger Stützpfeiler der Wirtschaft sind. Falsch hingegen ist, dass den gleichen Personen, die vor der Finanzkrise in den Führungspositionen saßen, jetzt wieder Bonuszahlungen in Milliardenhöhe zugebilligt werden. Llyod Blankfein, Chef der US-Bank Goldman Sachs, sagte gegenüber der Sunday Times: "Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wachstum und noch mehr Wohlstand schaffen." Banken würden deshalb einen gesellschaftlichen Zweck erfüllen und "Gottes Werk" verrichten, sagte Blankfein wörtlich. (Deutsche Übersetzung zitiert von Spiegel Online)

Für solche Aussagen empfinde ich nur Unverständnis. Banken werden mit einem mächtigen staatlichen Monopol ausgestattet. Nämlich dem Recht, auf den Geldschöpfungsmechanismus der Zentralbanken zurückgreifen zu können. Mit geringer Eigenkapitalquote werden somit hohe Kreditsummen ausbezahlt. Der Geldschöpfungsmechanismus ist das Herzstück des Kapitalismus. Die Kreditvergabe an ein Unternehmen über den Mechanismus des "Gelddruckens" bedeutet, dass allen anderen Unternehmen Produktionsfaktoren entzogen werden. Um neuen Unternehmen Wachstumschancen zu geben, wird die Kaufkraft aller etablierten Unternehmen geschmälert, eine direkte Folge der Geldschöpfung.

Wenn der Goldman-Sachs Chef dieses staatliche Privileg mit Gottes Werk verwechselt, dann muss man feststellen, dass der Bankenelite wohl tatsächlich - ein Vorwurf, der oft erhoben wird - das Realitätsbewusstsein abhanden gekommen ist. Ich bin mittlerweile ein großer Fürsprecher für eine strikte staatliche Regulierung der Bonuszahlungen im Bankensektor geworden. Zum einen, weil die Bankengewinne großteils das Ergebnis eines staatlichen Monopols sind. Zum anderen, weil das Prinzip hoher Verdienstmöglichkeiten, ohne dass diesem das Risiko eines Vermögensverlustes gegenüber steht, zutiefst unkapitalistisch und schädlich ist.

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger
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