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Editorial Ausgabe Nr. 350

Liebe Leser,

welches Fazit verbleibt zum Jahresabschluss? 2009 war das Jahr, in dem die Welt, trotz mehrfach vorhergesagt, nicht unterging! Wie in jeder Krise seit Start der kapitalistischen Wachstums-maschine um das Jahr 1790 in England warnten viele vor dem totalen Zusammenbruch des Finanzsystems und einer jahrelangen Depression. Zu dieser schweren Depression wäre es ohne die Intervention der Zentralbanken auch gekommen und genau das ist für mich die bemerkenswerte Erkenntnis: Die makroökonomische Wirtschaftstheorie hat, obwohl ihr dies in der öffentlichen Meinung nicht anerkannt wird, einen grandiosen Sieg gefeiert. Ben Bernanke zog als FED-Chef aus der Weltwirtschaftkrise 1929 bis 1932 die richtigen Lehren.

Damals war die Meinung der klassischen Ökonomieschule vorherrschend, dass sich ein freier Markt wieder von alleine stabilisiert, weil fallende Preise für Güter und Löhne die Nachfrage ankurbeln würden. In Deutschland veranlasste Reichskanzler Brüning sogar eine Absenkung der Nominallöhne per Gesetz, um die wirtschaftlichen Stabilisierungskräfte zu beschleunigen. Es war John Maynard Keynes, der 1936 den Denkfehler der klassischen Ökonomen aufdeckte und schlussfolgerte, dass die Preise mit aller Macht stabil gehalten werden müssten. Folglich war die einzig richtige Vorgehensweise der Notebanken die Geldmärkte zu fluten, um eine Deflationsspirale fallender Preise zu vermeiden. Zwischen 1928 und 1932 schrumpfte die deutsche Industrieproduktion von 84,3 auf 38 Mrd. Reichsmark. Das entspricht einem unvorstellbaren Rückganz um 55 Prozent. Dank dem energischen Einschreiten der Notenbanken blieb uns eine solche Katastrophe erspart.

Es wäre falsch aus dieser expansiven Geldpolitik ein enormes Inflationsrisiko herzuleiten. Die Zentralbanken können nur die Geldbasis beeinflussen. Die tatsächlich umlaufende Geldmenge wird von den Geschäftsbanken über die Kreditvergabe bestimmt. In Zeiten von Konkursen, Zwangsliquidationen und Kreditklemme ist eine Inflation damit genau genommen unmöglich. Dies spiegelt sich auch in der Realwirtschaft wider. Im Einzelhandel tobt eine erbitterte Rabattschlacht, von galoppierenden Preissteigerungen ist nichts zu spüren, sie existieren nur als Angstvorstellung in den Köpfen der deutschen Bevölkerung.

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger
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