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Editorial Ausgabe Nr. 353

Liebe Leser,

woher kommt eigentlich dieser Rettungstrieb, der in jedem Politiker tief verwurzelt scheint? Eine Bank macht Pleite, sie soll gerettet werden. Ein Unternehmen macht Pleite, es soll natürlich auch gerettet werden. Und wenn Griechenland vor dem Bankrott steht, dann finden sich auch einige Politikkasper, die lautstark nach Rettung brüllen. Warum? Ich verstehe das nicht! Der Bankrott ist das vielleicht wichtigste Instrument einer Marktwirtschaft. Unternehmen, die Produkte herstellen, die kein Mensch haben will, verschwinden vom Markt und die Ressourcen, die das Unternehmen gebunden hat, können anderweitig eingesetzt werden. Das ist doch ein tolles Prinzip, das sicherstellt, dass nur diejenigen Firmen überleben, die mit den knappen Ressourcen am besten umgehen können.

Im Japan der 1990er Jahre wurde dieser Mechanismus ausgehebelt. Der Rettungstrieb der japanischen Politiker muss damals stärker gewesen sein als der Sexualtrieb, als die Banken angewiesen wurden, maroden Unternehmen anstehende Rückzahlungen nicht fällig zu stellen und stattdessen neue Mittel zuzuweisen. Das Ergebnis dieser Politik ist ein jahrzehntelanges Siechtum und eine Verschuldung von 200% zum BIP. Japan mag ein Beispiel dafür sein, was passieren kann, wenn der Bankrott der schlechtesten Firmen aus politischen Bestrebungen verhindert wird.

Noch viel schlimmer ist, dass diese ständigen Rettungsaktionen zu einem Lerneffekt bei den Gläubigern führen, dass nichts schiefgehen kann. Es würde erst gar nicht zu einer dramatischen Verschuldungssituation von systemrelevanten Staaten, Städten und Gemeinden kommen, wenn sich keine Bank bereit erklären würde, neue Kredit zu vergeben oder im Falle Griechenland, wenn die Staatsanleihen einfach keine Abnehmer mehr fänden. Das einzige was helfen kann, das Problem schon an der Wurzel zu lösen, ist ein Risikobewusstsein, dass auch eine staatliche Institution zahlungsunfähig werden kann. Ein Staatsdefizit, das niemand finanziert, kann auch nicht aufgenommen werden. Darum ist meine Forderung: Mut zur Pleite! Kurzfristig mag das schmerzhaft sein, langfristig ist es der beste Weg.

Viele Erfolg wünscht
Simon Betschinger
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